Wann und wo der "Urtürke" der Familie Aly geboren wurde, weiß man nicht. Jedoch kam er 1686 nach Berlin, als exotisches Mitbringsel ("Beutemensch") desjenigen preußischen Hilfskorps, das an der Eroberung der Festung Ofen, dem heutigen Budapest, beteiligt gewesen war. Seinerzeit hatte sich die abendländische Wertegemeinschaft die robuste Selbstbehauptung gegen die islamische Herausforderung zum Ziel gesetzt. Gemäß der damaligen Integrationspolitik wurde Ali zehn Jahre später der Taufe unterzogen. Dabei mutierte - gewissermaßen als Multikulti-Andenken - sein heidnischer Vorname, mit einem "y" veredelt, zum Nachnamen. Hinzu kam der leitkulturelle Taufname Friedrich. 1694 wurde er mit der "gewesenen Türkin" Marusch verheiratet, die drei Jahre zuvor in der Spandauer Nikolai-Kirche auf den Namen Sophia Henrietta getauft worden war. Sie hatte im Haushalt des preußischen Helden von Ofen, General von Barfuß, gedient. Aus der Ehe gingen mindestens sechs Kinder hervor.Friedrich Aly gehörte zum Hofstaat der Kurfürstin und späteren Königin Sophie Charlotte. Er diente dort, einer Mode der Zeit entsprechend, als "königl. Cammertürke". Der eingegliederte Zuwanderer gehörte zu den Spitzenverdienern. Er bezog jährlich 366 Thaler, ein Freihaus in der Charlottenburger Schlossstraße Nr. 6 inklusive, während es der adelige Kammerjunker von Grothe nur auf 225 Thaler brachte. Aly hatte, wie Gottfried Wilhelm Leibniz berichtet, zum Beispiel an Kriegsspielen mitzuwirken, bei denen "ein Schiff unter türkischer, auf blauem Grunde den Halbmond zeigenden Flagge" auf der Spree genaht sei, um dann zur allgemeinen Belustigung, unter Führung des Kronprinzen - dem späteren "Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I. - zurückgeschlagen zu werden. Er nahm die "türkischen Piraten" unter Feuer, und das Gute siegte. Im Alltag verantwortete Friedrich Aly, gemeinsam mit seinem Kollegen Friedrich Wilhelm Hassan, die Darreichung von "thé, café, chocolat et drogues semblables". Noch in ihrer Sterbestunde rief Sophie Charlotte 1705 "zuletzt den beiden Kammertürken zu: ,Adieu Aly! Adieu Hassan! " Nach seinem Regierungsantritt 1713 ließ Friedrich Wilhelm I. die ganze höfische Pracht einmotten, um Preußen zum modernen Militär- und Machtstaat umzubauen. Er jagte die Höflinge aus der hoch dotierten Arbeitsbeschaffungsmaßnahme hinaus. Die Alys mussten ihr Freihaus verkaufen und wohnten zuerst in der Oranienburger Straße, dann in der Breiten Straße in Berlin. 1716 starben beide kurz hintereinander und wurden auf dem Friedhof der Parochialkirche im Berlin-Mitte beigesetzt. Die Kinder und Kindeskinder dienten als Kaufleute, Pfarrer, Offiziere und Lehrer dem Preußischen Staat. Während der deutschen Romantik kam ihre morgenländische Abstammung wieder in Mode. Seither wird den erstgeborenen Söhnen der Zweitname Haydar beigegeben - zum Schrecken der Einwohnermeldeämter, der Sicherheitsbehörden auf dem Flughafen Tel Aviv und zum Erstaunen eines langjährigen Lesers der "Berliner Zeitung", dem dazu nur eines einfiel: "Aha, Sie sind also nur Pass-Deutscher!"