NEW YORK. Caroline Wozniacki könnte gut in einer deutschen Seifenoper auftreten. Sie sieht aus wie diese Mädchen, die bei "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" mitspielen oder bei "Verbotene Liebe": Fräulein Wozniacki ist blond, langhaarig, blauäugig, ein hübsches Persönchen, das Kameras mag. Kürzlich traf sie in Los Angeles auf David Beckham, da nahm sie ein Filmteam mit, das die Begegnung für die YouTube-Ewigkeit festhielt. Caroline Wozniacki, enges, weißes Top, schaute beim Training von Los Angeles Galaxy zu, Mr. Beckhams Fußballfirma, und am Ende wechselte sie ein paar Worte mit ihm: "Hi, ich bin Caroline", sagte sie. David Beckham, weites, blaues Leibchen, wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht. "Warm heute", sagte er.Caroline Wozniacki ist Fußballfan, ihr Lieblingsspieler heißt Fernando Torres, aber Beckham fand sie auch sehr "sweet", wie sie in die Kamera sprach. Das wiederum fand die New York Times so süß, dass sie Caroline Wozniacki zum neuen It-Girl des Damen-Tennis erkor, zum aufregendsten Mädchen, das es derzeit zu sehen gibt. Optisch. Aber auch sportlich: Wozniacki gewann am Wochenende noch schnell das Turnier in New Haven, bevor sie zu den US Open nach New York City reiste, wo sie an diesem Dienstag in der ersten Runde gegen die Kasachin Galina Voskoboeva spielt.Caroline Wozniacki kommt aus Dänemark, sie ist 19 und die Nummer neun der Weltrangliste, sie ist die am höchsten platzierte West-Europäerin und der einzige Teenager unter den Top 20. Sie führt ein Grüppchen aufstrebender, junger Tennisspielerinnen an, deren Eltern aus Polen ausgewandert sind und ihren Töchtern eine neue Heimat geschaffen und eine andere Staatsbürgerschaft beschert haben: wie Sabine Lisicki aus Deutschland, derzeit die Nummer 25, und Aleksandra Wosniak aus Kanada, die Nummer 39. Die polnische Vergangenheit eint sie, "wir verbringen gern Zeit zusammen", sagt Aleksandra Wosniak, "es gibt einen guten Draht zwischen uns."Aber ihr Star ist Caroline Wozniacki, die jetzt auch als Model fungiert: für die Designerin Stella McCartney (die Tochter vom Paul) und deren neue Tennis-Linie, die McCartney für Adidas entworfen hat. "Ich stehe gern im Rampenlicht", sagt Wozniacki, "ich mag es, wenn die Leute mehr von mir wissen wollen. Und das wollen sie, je mehr ich gewinne und je besser ich Tennis spiele."Wie sie das macht? Wozniacki schlägt die Rückhand beidhändig, sie ist "eine klassische Konterspielerin", wie sie sagt, die viel läuft und dabei zusieht, wie ihre Gegnerin noch viel mehr läuft. Wozniacki ist ziemlich vielseitig unterwegs: In New Haven gewann sie auf einem Hartplatz, es war ihr dritter Turniersieg in diesem Jahr, nach Eastbourne auf Rasen und Ponte Vedra Beach auf Asche. Und es war der sechste Turniersieg in ihrer Karriere, das bedeutet: dänischer Rekord, schon wieder! Wozniacki ist ja auch die erste Dänin in der Geschichte des Profitennis, die einen Einzeltitel gewonnen hat, weshalb sie nördlich von Flensburg bisweilen angesehen wird wie die kleine Meerjungfrau: als nationales Heiligtum.Dänemarks Fräulein PoldiNatürlich hat sie auch Fans in Polen, "und die polnischen Medien hätte es gern, wenn ich ganz und gar polnisch wäre", sagt Caroline Wozniacki, polnische Dänin und darum längst so etwas wie Dänemarks Fräulein Poldi.Ihr Vater Piotr war Fußballprofi, ihre Mutter Anna polnische Volleyball-Nationalspielerin, als die beiden vor mehr als 20 Jahren nach Dänemark zogen, wo Piotr Wozniacki dann für B 1909 Odense spielte. Die Wozniackis bekamen zwei Kinder, Caroline und Patrik, der Bruder wurde Fußballer. "Angefangen hat er aber mit Tennis", erzählt Caroline Wozniacki, "da waren wir noch ganz jung: Ich wollte das auch, ich habe mich sofort in den Sport verliebt, aber ich war anfangs ganz schlecht. Niemand wollte mit mir spielen. So habe ich stundenlang Bälle gegen die Ballwand geschlagen. Aber ich bin hartnäckig geblieben, und nach einem Jahr habe ich meine ganze Familie besiegt."Ihre Mutter ist nun nach New York gereist, um der Tochter "Glück zu bringen", wie sie sagt - in New Haven hat das ja schon mal ganz gut geklappt. Der nächste Star des Frauentennis verfolgt in Amerika aber nicht nur sportliche Ziele. "Ich möchte unbedingt mit meiner Mutter einkaufen gehen", sagt Caroline Wozniacki, "ich liebe es, in Manhattan zu shoppen!"------------------------------Foto: Nachhilfe: Wozniacki setzt auf Größe.