Catharina war das 23. oder 24. Kind von Iacopo, einem Färber aus Siena, und seiner Frau Lapa. Man weiß es nicht, weil sie (1347) als Zwilling zur Welt gekommen ist. Vielleicht veranlasste die mütterliche Fruchtbarkeit Catharina dazu, mit sieben Jahren ein Keuschheitsgelübde abzulegen. Sie, die lesen, aber nicht schreiben lernte, diktierte mystische Lehren vom Blute Christi und wurde zur Heiligen.Jakob Michael Reinhold Lenz übernahm lediglich Namen und Schauplatz für sein Künstlerschauspiel, das Fragment blieb. Catharina liebt dort den Maler Correggio und soll gegen ihren Willen mit Trufalo verheiratet werden. Sie flieht in den Wald. Sie sucht Trost in der Liebe zu Jesus.An dieser Stelle installiert die Inszenierung von Thorsten Lensing und Jan Hein ein Gebet, das von der echten Catharina stammen könnte. Ursina Lardi steht dicht vor der ersten Zuschauerreihe, schließt die Augen und macht sich durchlässig für ein Liebes- und Glaubensbekenntnis. "Ich liebe dich, Jesus, ich verstehe dich nicht. Deine Braut weint. " Wie ein leises Instrument verfügt sie sich den Worten, erlauscht sie aus irgendwelchen Tiefen oder Höhen. Es ist ein Augenblick der Ruhe in ihrem Kampf mit der Welt und sich. Ursina Lardi führt ihn voll zärtlicher Heftigkeit, sie fasst sich ans Gesicht, als wäre es eine Maske; ans Herz, als wäre es ein lästiger Tumor. Catharina ist sich fremd, ihre "überspannten Ideen" hetzen sie über die Bühne, zerreiben sie. Das Bauernmädchen (Ursula Renneke) muss über Catharinas Gerede lachen: "Der Schmerz belebt diese unbedeutenden Gesichter, ich habe auf allen unsern Theatern keine rührenderen Stellungen und Gebärden gesehen. " Die Musiker Willi Kellers (Schlagzeug) und Phil Minton (Stimme) sitzen bescheiden und selbstverständlich neben der Bühne, intonieren die Lücken, die Spannung zwischen den Gedanken. Sie verlautbaren das unterschwellige Gefühl angemessen unartikuliert, manchmal komisch, manchmal schmerzlich.Dieser Abend ist ein Schatz. Es gibt Stellen, die man unmittelbar erkennt, versteht und sich ins Herz schließt. Man spürt die sanfte, tiefe Liebe zu den Figuren und teilt sie. Leider nur erweist sich der intellektuelle Vorsprung der Macher als für den Zuschauer uneinholbar.Weitere Vorstellungen: 16. -18. , 23. -25. März, 20 Uhr, Sophiensæle