Die Berliner SPD will den noch namenlosen Platz vor dem Abgeordnetenhaus in Mitte nach dem letzten preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun (1872-1955) benennen. Aber erst nach den Wahlen. Grund für die Zurückhaltung: Der Streit um die Niederkirchnerstraße, die direkt am Abgeordnetenhaus vorbeiführt, steckt der SPD noch in den Knochen."Otto Braun war ein sehr wichtiger Mann", sagt SPD-Abgeordneter Knut Herbst. Noch erinnert keine Straße an den Preußen, erst ab November soll die heutige Hans-Beimler-Straße in Mitte nach Braun benannt werden. "Ein Platz wäre besser", meint Herbst. Zumal der Platz vor dem Abgeordnetenhaus, dem ehemaligen Preußischen Landtag, ein historischer Ort sei. "Verkehrssenator Haase kann seine Anordnung, die Straße umzubenennen, noch zurücknehmen", ist Herbst überzeugt.Anders als die SPD-Spitze plädiert der Abgeordnete dafür, die Umbenennung noch in dieser Legislaturperiode zu beschließen. "Wir sind uns ja einig, da müssen wir nicht lange diskutieren, das kann man im Parlament in einer Dreiviertelstunde beschließen", so Herbst. Doch Fraktionsvorsitzender Klaus Böger, der die Initiative für eine Würdigung Brauns vorantreibt, will bis nach den Wahlen warten. Zu gut ist den Sozialdemokraten der öffentliche Streit über die Niederkirchnerstraße und die eigene politische Niederlage in Erinnerung. Der damalige Partei- und Fraktionsvorsitzende Ditmar Staffelt wollte nämlich, daß diese Straße offiziell Adresse des Berliner Abgeordnetenhauses wird. Die CDU und vor allem Parlamentspräsidentin Hanna-Renate Laurien stellten sich quer, sie wollten auf den offiziellen Briefbögen nicht an die kommunistische Widerstandskämpferin Käthe Niederkirchner erinnern. So scheiterte die SPD, die Adresse lautet heute: "Abgeordnetenhaus von Berlin, 10111 Berlin-Mitte".Für SPD-Politiker Herbst ist mit einem "Otto-Braun-Platz" auch ein praktischer Aspekt verbunden. "Dann muß man sich nicht mehr umständlich verabreden", sagt Herbst. Derzeit beschreiben viele Parlamentarier die Lage des Abgeordnetenhauses mit den Worten "Das ist das Haus gegenüber vom Martin-Gropius-Bau."Der Koalitionspartner CDU steht dem Anliegen der Sozialdemokraten aufgeschlossen gegenüber. Auch Parlamentspräsidentin Laurien hat keine Bedenken. Das einzige Problem: die geplante Otto-Braun-Straße im gleichen Bezirk. "Das ist nicht so günstig, man könnte Braun ja auch mit einer Büste oder einer Gedenktafel ehren", meint CDU-Sprecher Markus Kauffmann. Das jedoch ist der SPD zu wenig.Kein Interesse an einer Umbenennung haben schon heute Bündnis 90/Grüne und PDS. Beide Fraktionen geben als Adresse "Niederkirchnerstraße 5" an. "Dabei soll es auch bleiben", sagt Grünen-Sprecher Matthias Tang.