Natürlich hat die Zeitumstellung Folgen: Horst Seehofer zum Beispiel hätte neulich fast einen Telefontermin mit der Kanzlerin verschlafen, weil er nicht an die Sommerzeit gedacht hatte. Das Telefonat hat dann angeblich doch stattgefunden, nur sieben Minuten zu spät, und Seehofer kam direkt aus dem Bett.

Die Geschichte passte perfekt zur neuesten CSU-Idee, die Zeitumstellung einfach wieder ganz abzuschaffen. Dies ist nun kein Spleen einer einzelnen Partei mehr, die immer auf der Suche ist nach einfachen Botschaften. Die CDU hat sich der Forderung am Wochenende angeschlossen: Der CDU-Parteitag in Berlin stimmte für einen entsprechenden Antrag des nordrhein-westfälischen Kreisverbands Rheinisch-Bergischer Kreis.

Man kann nicht sagen, dass es sich um ein Herzensanliegen von Angela Merkel handelt. Im Gegenteil. Die Parteiführung hatte empfohlen, den Antrag abzulehnen, allerdings ohne dies weiter auszuführen. Die Nordrhein-Westfalen argumentierten dagegen, das Ziel der Sommerzeit – die Energieeinsparung – sei nicht erreicht worden. Stattdessen verursache das Hin und Her mit den Uhren hohe Kosten und sei schlecht für die Gesundheit von Mensch und Tier. Die Delegierten ließen sich überzeugen. Es war das einzige Mal, dass sie sich auf dem Parteitag gegen die Spitze stellten.

Es ist nicht so richtig vorstellbar, dass die Kanzlerin nun auf den nächsten EU-Gipfeln zwischen Ukraine und Euro noch mal schnell die Uhrzeit-Frage einflicht und diskutiert, ob es besser wäre, die Sommer- oder die Winterzeit zu behalten. Ob es also lieber das ganze Jahr abends länger hell bleiben oder morgens früher hell werden soll. Ausgerechnet an Russland könnte man sich da orientieren – dort wurde die Sommerzeit vor drei Jahren abgeschafft.

Aber ganz so dringend scheint das Anliegen nicht zu sein: Bei den Wirtschaftsverbänden, heißt es, es sei nicht erkennbar, dass die zu Zeiten der Ölkrise in den 70-er Jahren eingeführte Zeitumstellung größeren volkswirtschaftlicher Schaden auslöse. Und ob es ein gravierendes Problem war, dass Merkel etwas auf Seehofers Telefonstimme warten musste, ist offen. Vielleicht wäre es ja sogar ein Segen gewesen wäre, wenn der CSU-Chef noch länger geträumt hätte.