Der CDU-Politiker und langjährige Bundesabgeordnete Heinrich Lummer hat die Entscheidung der israelischen Regierung kritisiert, ihm und 32 anderen Mitgliedern einer Bildungsgruppe die Einreise nach Israel zu verweigern. "Die Entscheidung ist völlig unverständlich", sagte Lummer am Dienstag der "Berliner Zeitung".Wie berichtet, hatte Israel der Reisegruppe am Montag, dem 60. Jahrestag der Pogrome gegen deutsche Juden, die Einreise verweigert, da die Teilnehmer rechtsextrem seien. Die zehntägige Bildungsreise hatten die "Deutschen Konservativen" organisiert. Chef dieses Vereins ist der rechtsgerichtete Politiker Joachim Siegerist, der Anfang der 90er Jahre wegen Anstachelung zum Rassenhaß zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde.Lummer sagte, die Teilnehmer im Alter zwischen 60 und 80 Jahren seien "weder Alt- noch Jung-Nazis" und hätten außerdem ein Visum der israelischen Regierung besessen. Viele von ihnen seien schon mehrfach in Israel gewesen. Der Reisebeginn sei aus Organisationsgründen zufällig auf den 9. November gefallen und vom israelischen Reisebüro vorgeschlagen worden. Das Außenministerium in Tel Aviv erklärte am Dienstag, man habe gedacht, die Gruppe würde von Siegerist geleitet. Diesen hatte ein Sprecher am Montag als politisch aktiven "Rassisten des extrem rechten Flügels" bezeichnet. Daraufhin sei die Lufthansa schriftlich über das Einreiseverbot unterrichtet worden. "Später fanden wir heraus, daß Siegerist nicht an Bord war, aber da war es nicht länger von Bedeutung, weil der Flug in der Türkei schon gestoppt hatte und nicht hierher kam", sagte ein Ministeriumssprecher. Die Lufthansa-Maschine, die sich schon auf dem Weg nach Tel Aviv befand, war wegen der Einflug-Verweigerung in Istanbul zwischengelandet. "Das ist ein einmaliger Vorgang", sagte Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty. Man habe vor dem Start der Maschine in Frankfurt am Main zu spät von der Haltung Israels erfahren. Auf Anraten der Lufthansa-Crew stieg die 33köpfige Reisegruppe in Istanbul aus, übernachtete dort und kehrte am Dienstag nach Frankfurt zurück.Die Berliner Grünen forderten die CDU auf, Lummer aus der Partei auszuschließen. Angesichts der "gruseligen Reisegruppe", sagte der Grünen-Politiker Wolfgang Wieland der "Berliner Zeitung", verschlage es ihm die Sprache. Als geringstes Zeichen seitens der CDU müsse sich Berlins Regierungschef Eberhard Diepgen deutlich von Lummer distanzieren.Der Berliner SPD-Abgeordnete Nikolaus Sander hielt die Einreiseverweigerung Israels für gerechtfertigt. "Lummer stehe hart am Rande des demokratischen Spektrums." Sander: "Wenn die CDU glaubt, Lummer in ihren Reihen dulden zu können, ist das ihre Sache." Julius Schoeps, Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, bezeichnete das Auftreten Lummers als "sehr unpassend".