Der Wahlsieg kommt spät für Carsten Wilke aus Treptow-Köpenick. Fast anderthalb Jahre liegt die Abstimmung zur Abgeordnetenhauswahl zurück. Gestern hat das Landesverfassungsgericht endgültig entschieden, dass der CDU-Politiker Mitglied des Parlaments ist. Allerdings muss dafür sein Parteifreund Rainer Ueckert aus Tempelhof-Schöneberg, der im vergangenen Oktober ins Parlament nachgerückt war, seinen Platz räumen. Der Grund sind die verwickelten Bestimmungen des Landeswahlgesetzes und der Wahlordnung. Nach der vergangenen Wahl standen der CDU zunächst insgesamt 34 Sitze zu. Zwei davon entfielen auf die Bezirkswahlliste der Union in Treptow-Köpenick. Da Wilke damals auf Platz zwei der Liste kandidierte, war er im Parlament - allerdings nur für wenige Stunden. Denn SPD und PDS hatten mehr Direktmandate gewonnen, als ihnen eigentlich nach ihrem Zweitstimmenergebnis zustand. Das sind die Überhangmandate. Für diesen Fall kennt das Berliner Wahlgesetz die so genannten Ausgleichsmandate, um das Wahlergebnis nicht zu verfälschen. Demnach bekam die CDU ein weiteres Mandat hinzu, also insgesamt 35 Plätze im Parlament. Um nun festzustellen, wie die Sitze auf die CDU-Bezirkslisten verteilt werden, wurde neu gerechnet und zwar von vorne. Der Landeswahlausschuss schaute nicht nur, auf welche Bezirksliste entfällt der 35. Platz, sondern berechnete die Verteilung aller Plätze neu. Das Ergebnis: Treptow-Köpenick bekam nicht mehr zwei, sondern nur noch einen Platz, ein weiterer ging nach Steglitz-Zehlendorf und einer nach Tempelhof-Schöneberg. Wilke war damit nicht mehr im Parlament. Dagegen hat er vor dem Landesverfassungsgericht geklagt und Recht bekommen. Bei der Verteilung des zusätzlichen Mandats hätten die ersten 34 Grundmandate nicht neu berechnet werden dürfen, argumentierten die Richter. Lediglich das 35. Mandat hätte einer Bezirksliste zugeordnet werden dürfen. Damit verliert Tempelhof-Schöneberg wieder ein Mandat. Landeswahlleiter Andreas Schmidt von Puskas zeigte sich nach der Urteilsverkündung überrascht. Wegen der größeren Gerechtigkeit habe man damals im Landeswahlausschuss entschieden, alle Mandate neu zu berechnen. Leider sei das Gericht dieser Ansicht nicht gefolgt. Die Wahlgesetze müssten deswegen aber nicht neu formuliert werden, sagte er. Das Urteil sei eine Präzisierung. Ueckert war gestern Nachmittag zu keiner Stellungnahme bereit. Er war dem Abgeordneten Peter Rzepka ins Berliner Abgeordnetenhaus gefolgt. Rzepka wechselte nach der Bundestagswahl im Oktober 2002 in den Bundestag. (tom.)