Am Ende stellt Hermann Gröhe sich am liebsten an die Seite seiner Kanzlerin. Fast schmiegt sich der Generalsekretär der CDU an das Konterfei seiner Vorsitzenden, als man ihn auffordert, sich neben eines der Wahlplakate zu stellen, die er am Montag in Berlin der Öffentlichkeit präsentiert hat.

„Gemeinsam erfolgreich“ steht auf allen zu lesen. Es ist der Slogan, mit dem die CDU/CSU in die Endphase des Wahlkampfs startet. Er wird den Wählerinnen und Wählern von heute an großflächig plakatiert millionenfach begegnen. Vier Kernthemen, vier Wahlkampfaussagen: „Solide Finanzen“, „Sichere Arbeit“, „Wachstum“ und „Mehr für Familien“ – dafür werben fröhliche Menschen, junge und alte, angetan mit „herrlichen Farben“, sagt Gröhe.

Vor allem erfolgreich

Und alle verdanken sie Harmonie, Wohlstand und vor allem ihre Fröhlichkeit dem gemeinsamen Erfolg. Konfektionsware, stünde nicht hinter allem die Aussage: Erfolgreich sind wir nur mit der Kanzlerin, keinesfalls ohne sie.

Welches dieser Plakate, wird der Generalsekretär gefragt, könnte die SPD eigentlich nicht ebenso plakatieren? „Ich hätte gemeint, die Kanzlerin“, kontert Gröhe, „aber nicht mal in dieser Frage ist noch auf die SPD Verlass.“ Ihn amüsiert die „verzweifelte“ Entscheidung der Sozialdemokraten, mit dem Bild der Kanzlerin für Gegenpositionen zu werben. Vorsorglich kündigt Gröhe aber noch an: „Das werden wir den Sozialdemokraten nicht allein überlassen.“ Nicht dass man in der Union darüber nachgedacht hätte, Peer Steinbrück zu plakatieren. „Zu keinem Zeitpunkt“, sagt Gröhe. „Die Frage nach Honoraren erübrigt sich also,“ meint er hämisch.

Nein, man will sich in einer zweiten und dritten Welle von Plakaten noch deutlicher auf die Kanzlerin konzentrieren. In einer bebilderten Broschüre tut die Union das schon jetzt. Ihr Titel: Kanzlerin für Deutschland. Es ist eine Sammlung höchst vorteilhafter Abbildungen Angela Merkels, die von kurzen Texten begleitet werden, Ansichten der Kanzlerin zu den Themen Freiheit, Sicherheit, Arbeit, Familie und Europa. Sie lesen sich wie Auszüge aus Regierungserklärungen: „In einer sich immer schneller verändernden Welt geht es auch uns Deutschen nur dann gut, wenn es auch Europa gut geht. Deshalb liegt es in unserem eigenen Interesse, wenn wir anderen in Europa helfen.“

Man erfährt allerdings auch Persönliches, nachgerade Intimes, etwa, dass die Kanzlerin vorgibt, im eigenen Garten Gemüse zu ziehen, dass sie gern Rouladen und Kartoffelsuppe kocht und ihr Mann sich darüber nur selten beschwert. „Nur auf dem Kuchen sind ihm immer zu wenig Streusel.“ Die fürsorgende Staatsfrau in Wort und Bild erscheint in einer Auflage von zunächst 800.000 Exemplaren, ein kleineres Leporello wird 350.000 mal an die Gliederungen der Partei verteilt.

„Ein ganz enges Rennen“

Knapp 60 Kundgebungen wird Angela Merkel in den kommenden Wochen bis zur Bundestagswahl noch absolvieren. 22.000 Wahlhelferinnen und Wahlhelfer haben im „Team Deutschland“ zusammengefunden, um ihre Wiederwahl zu befördern. „Wir stehen gut da“, findet Gröhe. Die guten Umfragen für die Union aber sind ihm und seinen Wahlkämpfern nur Auftrag. „Am Ende wird es ein enges Rennen“, sagt der General der Kanzlerin.

Die Fragen der Balance von Sicherheit und Datenschutz werden in der Kampagne der Union keine Erwähnung finden, erklärt Gröhe noch auf Nachfrage. Sie animiert ihn allerdings zu einem längeren Exkurs über das Fehlverhalten des Kollegen Thomas Oppermann. Der treibe „Schindluder mit den Ängsten der Menschen“, klärt Gröhe auf und legt dem Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD den Rücktritt vom Amt des Vorsitzenden im Parlamentarischen Kontrollgremium des Bundestags nahe.