Etwa 70 ungenutzte Verkehrsbauwerke liegen im Untergrund Berlins. Gestern öffneten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) den sonst nicht zugänglichen Waisentunnel unter der Littenstraße. Mehr als 2 000 Menschen besuchten den für den Linienbetrieb der U-Bahn nie genutzten Tunnel, dessen Bahnhof Voltairestraße oder Stralauer Straße heißen sollte. Der Waisentunnel wurde zwischen 1913 und 1919 als ursprüngliche Streckenführung der heutigen Linie U 8 gebaut. Ein Gleis ist noch erhalten und verbindet die Linien 5 und 8. Während der Teilung Berlins sei es die einzige Verbindung zwischen den U-Bahn-Nnetzen Ost- und West-Berlins gewesen, sagt Uwe Kutscher von der BVG. Kurz vor der Unterquerung der Spree gibt es sogar noch einen kleinen Raum, in dem ein rotes Telefon steht. Laut Kutscher wurde der Raum vom DDR-Wachpersonal genutzt, möglicherweise auch von der Stasi. Den Bahnhof gibt es nicht mehr. Er wurde 1941/42 nach Plänen von Albert Speer zu einer 400 Meter langen Bunkeranlage mit 1,50 Meter dicken Betonwänden umgebaut. In den kleinen Räumen sollten 1 000 Menschen Schutz vor Bomben finden. In den Bombennächten waren es dann bis zu 5 000. Ab 1953 nutzte der "VEG Champignonzucht Diesnau" die feuchten Räume: Zehn Jahre lang wurden dort Champignons gezüchtet, der Pferdemist zur Düngung kam aus dem Tierpark Friedrichsfelde. Dungreste und Notizen der Pilzzüchter sind noch an den Wänden erhalten. (ua.)