Der erregende Geruch des Partners ist für Frauen das wichtigste Orgasmus-Stimulans. Wichtig für das weibliche Lustempfinden seien aber auch die Hygiene des Partners, die Klitorisstimulation sowie Offenheit und Vertrauen in der Beziehung berichtet Sabine Grüsser-Sinopoli vom Institut für Medizinische Psychologie an der Berliner Charité. Keine große Rolle spiele die Verliebtheit oder die Attraktivität des Partners, sagt die Wissenschaftlerin, die eine Studie zum Sexualerleben der deutschen Frauen leitet. Die Untersuchung basiert auf einer bundesweiten Fragebogenaktion, an der 575 Frauen im Alter von 17 bis 71 Jahren freiwillig und anonym teilgenommen haben. "Es handelt sich um eine der detailliertesten Umfragen zum weiblichen Sexualerleben, die jemals in Deutschland gemacht wurden", sagt Grüsser-Sinopoli. Die Ergebnisse sind zu großen Teilen unveröffentlicht und werden jetzt in einer Doktorarbeit ausgewertet.Rund 57 Prozent der Befragten gaben an, beim Geschlechtsverkehr mehrere Orgasmen zu erleben. Bis sie zum Höhepunkt kommen, brauchen die Frauen im Schnitt acht Minuten. Der Orgasmus geht dabei immer von einer Stimulation der Klitoris aus. Den immer wieder gern zitierten erdbebengleichen vaginalen Orgasmus, der ohne Klitorisstimulation entsteht, hat keine der befragten Frauen erlebt. Rund 90 Prozent der Befragten gaben an, ihrem Partner schon einmal einen Orgasmus vorgetäuscht zu haben. Aber nur 10 Prozent tun dies des öfteren, berichtet Grüsser-Sinopoli. Die Frauen spielten ihrem Partner etwas vor, um ihn zu bestätigen oder seinen Orgasmus zu beschleunigen. Insgesamt scheinen die Frauen mit ihrem Sexualleben zufrieden zu sein: Sie bewerteten es mit 72 von 100 möglichen Punkten.Keine Angaben machten 18 Prozent der Frauen beim Thema Masturbation. Grüsser-Sinopoli: "Trotz der Sexualisierung unserer Gesellschaft ist die Selbstbefriedigung für zahlreiche Frauen offenbar immer noch ein Tabu." (lb.)