Sie sei der "ruhige Pol" in der Familie gewesen, habe sich um alles und um alle sehr gesorgt. "Und Würstchen waren ihr Lieblingsgericht", sagt Waltraud Ziervogel, 73, über ihre Mutter Charlotte. Im Alter von 98 Jahren ist die Mitbegründerin von Berlins berühmtester Currywurstbude an der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg vor wenigen Tagen im Krankenhaus gestorben. Heute wird Charlotte Konnopke auf einem Friedhof in Weißensee im engsten Familienkreis beerdigt.Ihre Tochter Waltraud Ziervogel erzählt mit großer Achtung und Liebe über das Leben ihrer Mutter. "Sie hat Gutes und Böses erlebt", sagt sie. "Ich habe viel von ihr gelernt."1930, mit 20 Jahren, heiratete Charlotte den Wurstverkäufer Max Konnopke, der nachts mit einem Wurstkessel durch die Straßen zog und Würstchen verkaufte. "Wurstmaxen durften damals nur von 19 Uhr abends bis 5 Uhr morgens verkaufen", sagt Waltraud Ziervogel. Auch Charlotte Konnopke übernahm viele Nachtschichten. Sie stand in der Stargarder Straße in Prenzlauer Berg. Tagsüber musste sie schlafen, sich um den Haushalt und das Essen kümmern. "Frühstück, Mittagessen, Kaffee und selbst gebackener Kuchen mussten zu festgelegten Zeiten auf dem Tisch stehen", erinnert sich Waltraud Ziervogel an ihre Kindheit. Ihr Vater sei "eher hektisch" gewesen, die Mutter hingegen stets auf Ruhe bedacht. Von 1941 bis 1945 war ihr Betrieb geschlossen und Max Konnopke als Soldat im Krieg.Ketchup nach GeheimrezeptNach dem Krieg, im Jahr 1947, baute sich die Familie einen Wurstwagen und verkaufte am Antonplatz in Weißensee und an der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg. Ab 1960 verkauften die Konnopkes auch Currywurst, den dazugehörigen Ketchup stellte Charlotte Konnopke in ihrer eigenen Küche in Weißensee her. Bis heute gilt die Rezeptur als Familiengeheimnis. "Daran hat sich bis heute nichts geändert", sagt Waltraud Ziervogel. Zu DDR-Zeiten verwendeten die Konnopkes Tomatenmark und Tomatenpüree als Grundlage und verfeinerten das Ganze mit Gewürzen, heute bildet Ketchup aus Werder in Brandenburg die Basis. "Mehrere Eimer davon" werden jeden Tag benötigt, sagt Waltraud Ziervogel, die "Konnopkes Imbiss" in der Schönhauser Allee 1976 von ihren Eltern übernahm, den Kiosk ausbaute und 1987 durch einem Imbissgarten erweiterte.Charlotte Konnopke hat bis ins hohe Alter die Wurst aus ihrem Familienbetrieb gern gegessen. "Oft hat sie mich gebeten: ,Bring mir eine Currywurst mit'", sagt Waltraud Ziervogel. Die 73-Jährige arbeitet immer noch im Imbiss an der Schönhauser. 15 Angestellte gibt es. Längst gilt der Imbiss unter dem Viadukt der U-Bahn-Linie 2 als berühmteste und älteste Currywurstbude der Stadt. Und selbst Gourmets wie Tim Mälzer, Alfred Biolek und Kolja Kleeberg loben die Berliner Spezialität aus der Wurstbräterei Konnopke.------------------------------WurstmaxeUnterwegs: Max Konnopke (1901 bis 1986) ist Begründer des traditionsreichen Unternehmens. Mit Wurstkessel, Klapptisch und Schirm zog er ab 1930 durch Berlin, nach dem Krieg baute er einen Wurstwagen.Im Kiosk: 1960 zog der Betrieb in einen Holzkiosk in der Schönhauser Allee, Ecke Dimitroffstraße (heute Danziger Straße) in Prenzlauer Berg. Zeitgleich eröffnete an der Ecke Berliner Allee/Mahlerstraße in Weißensee ein zweiter Imbiss.Der Wechsel: 1976 übergab Konnopke seinen Kindern den Betrieb. Tochter Waltraud Ziervogel baute 1983 in der Schönhauser Allee einen Metallkiosk samt Imbissgarten. Günter Konnopke verkaufte seinen Weißenseer Imbiss im Jahr 2000.Der Neue: Seit 2007 gibt es Konnopke auch in Heinersdorf, Romain-Rolland-Straße 16.------------------------------Foto (3): Ein Imbiss mit Tradition: Charlotte Konnopke am Wurstwagen im Jahr 1955 (Foto unten links, links im Bild) und im Kreis ihrer Familie (M.) im Jahr 2000 zum 90. Geburtstag.