Die Mitarbeiter des Gründerzeitmuseums in Mahlsdorf trauern um Charlotte von Mahlsdorf. Rund 20 Freunde und Verwandte nahmen am Freitag auf dem evangelischen Waldkirchhof an der Rahnsdorfer Straße in Mahlsdorf Abschied von der 74-Jährigen. Charlotte von Mahlsdorf fand ihre letzte Ruhe neben ihrer Mutter Lenchen Berfelde.Der Tod von Berlins berühmtestem Transvestiten war bis zur Beisetzung geheim gehalten worden. Wie erst am Freitag bekannt wurde, ist die Museumsgründerin bereits am 30. April in Berlin gestorben, vermutlich an Herzversagen. "Die Familie bat uns um äußerste Diskretion", sagte Gunter Pfeifer vom Waldkirchhof. "Mit Charlotte von Mahlsdorf verliert der Bezirk seine wichtigste Persönlichkeit", sagte Marzahn-Hellersdorfs Bürgermeister Uwe Klett (PDS). Als Transvestit habe sie Toleranz vorgelebt. "Jeder, der sie traf, hatte Anlass über sich selber nachzudenken." Nach Informationen der "Berliner Zeitung" war Charlotte von Mahlsdorf in der Stadt, um gemeinsam mit Bruder und Schwester das Grab der Mutter anlässlich deren 100. Geburtstag zu besuchen. Die am 18. März 1928 als Lothar Berfelde geborenene Charlotte von Mahlsdorf lebte seit 1997 in der kleinen schwedischen Ortschaft Porla- brunn, wo sie ein Jahrhundertwendemuseum in einer kleinen Villa betrieb. Das Haus erwarb sie, nachdem sie das von ihr 1960 eröffnete Gründerzeitmuseum am Hultschiner Damm verkaufte. Für das Leben in ihrer zweite Heimat lernte sie zum Schluss sogar Schwedisch.Inzwischen betreibt ein Förderverein die Sammlung mit Möbeln und Gebrauchsgegenständen aus der Jahrhundertwende in Mahlsdorf. Dort gibt es auch die mit Originalmöbeln nachgebaute Zille-Kneipe "Mulackritze", in der Gäste bewirtet werden. Für ihr Engagement auch um die gesellschaftliche Anerkennung anderslebender Menschen erhielt Charlotte von Mahlsdorf 1992 das Bundesverdienstkreuz. Über ihre Zeit in Schweden sagte sie vor kurzem noch, dass sie dort sehr sparsam lebte. "Das ist es, was sie auszeichnet: Ein Mensch, der beispiellos ist für seine Einfachheit", sagte Bürgermeister Klett. Ihren letzten öffentlichen Auftritt hatte Charlotte von Mahlsdorf am Wochenende vor ihrem Tod im Schloss von Altranft, wo sie zu einer Lesung eingeladen war und wo ebenfalls Möbel aus ihrer Sammlung zu sehen sind. Ohnehin kam sie in ihre alte Heimat relativ häufig zurück. Demnächst wollte sie zum fünfjährigen Bestehen des Mahlsdorfer Fördervereins anreisen.BERLINER ZEITUNG/WULF OLM Charlotte von Mahlsdorf (1928-2002) lebte zuletzt in Schweden.