Glaubt man den Wahlplakaten der Sozialdemokraten, wird der Fusionsbezirk nach den Wahlen von einer SPD-Frau regiert. "Die zukünftige Bürgermeisterin von Charlottenburg-Wilmersdorf, Monika Thiemen", preist die SPD ihre Spitzenkandidatin darauf an. - Dass Monika Thiemen tatsächlich Bürgermeisterin wird, ist gar nicht so unwahrscheinlich: Die Sozialdemokraten haben die Unterstützung der Grünen sicher. Mit einer solchen rot-grünen "Zählgemeinschaft" im Bezirksparlament, falls sie stärker ist als die CDU-Fraktion, könnten beide Parteien Monika Thiemen wählen. Selbst wenn die CDU erneut die stärkste Fraktion stellen sollte. Die SPD-Spitzenkandidatin gibt sich siegesgewiss. "Ich denke, dass unsere Chancen gut stehen", sagt Thiemen. 30 Prozent seien denkbar für die SPD, und die Grünen, die 20 Prozent der Stimmen holen wollen, hätten "eindeutige Signale" gesendet, mit den Sozialdemokraten gemeinsame Sache zu machen. Auch die Grünen wollen den Wechsel an der Spitze des Bezirks. "Lange genug", sagen sie, hatte die CDU die absolute Mehrheit in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) und konnte somit Anträge allein beschließen. "Anfangs hatten wir gehofft, dass wir uns an den Themen entlang einigen können", sagt Grünen-Fraktionschef Thomas Birk. Allerdings sei schnell klar geworden, dass die CDU ihre Sache "durchziehen wollte". Als einen der größten Erfolge wertet Birk das Aus für die geplanten Neubauten auf dem Stuttgarter Platz. Nach heftigen Diskussionen mit Senat, Deutscher Bahn und Anwohnern wurden die Pläne kürzlich abgelehnt und zu den Akten gelegt. Um einen schwarzen Bürgermeister zu verhindern, würden die Grünen auch mit den anderen Parteien in der BVV gemeinsame Sache machen. "Für diesen Fall wären wir auch bereit, mit der PDS und der FDP zu reden", sagt Fraktionschef Birk. Beide Parteien, derzeit nur mit zwei beziehungsweise einem Verordneten im Bezirksparlament, hoffen, künftig je drei Verordnete zu stellen und damit Fraktionsstatus zu erlangen. Damit könnten auch sie in die Zählgemeinschaft aufgenommen werden. Über mögliche Koalitionen für eine Wiederwahl will CDU-Spitzenkandidat und Bürgermeister Andreas Statzkowski derzeit nicht reden. "Lassen wir uns überraschen", sagt er. Wenn er nicht Bürgermeister werde, könne er sich vorstellen, weiterhin als Bildungsstadtrat tätig zu sein. Doch nicht nur dieses Ressort liegt ihm am Herzen. Die CDU setzt auch auf die Bereiche Bauen, Wirtschaft und Finanzen. "Der Kudamm ist die Nummer eins in Berlin, was den Einzelhandel betrifft", sagt Statzkowski. Allerdings seien mit dem Potsdamer Platz und der Friedrichstraße starke Konkurrenten herangewachsen. Nun müsse es darum gehen, der City-West zu einem "Face-Lifting" zu verhelfen. "Da gibt es viel zu tun." Wichtig sei, dass neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Nur so könne es gelingen, die Einnahmen des Landes zu steigern - und auf Dauer auch dem Bezirk zu helfen. Während die Grünen den Hauptschwerpunkt der künftigen Arbeit in der Gesundheits- und Sozialpolitik sehen, setzen die Sozialdemokraten ebenfalls auf das Thema Geld. "Die Frage ist, wie wir mit den immer knapper werdenden finanziellen Mitteln umgehen", sagt Spitzenkandidatin Thiemen. Wo gespart wird, könne aber nur das neu gewählte Bezirksamt entscheiden. Grüne, SPD und CDU gemeinsam.Die "Berliner Zeitung" analysiert in einer Serie die politische Situation in den Bezirken und stellt die Spitzenkandidaten vor. Morgen: Marzahn-HellersdorfNeuen Parteien stellen sich zur Wahl // Der Bezirk: In Charlottenburg-Wilmersdorf leben rund 317 500 Menschen (Stand Mai 2001). 16 Prozent aller Bewohner sind Ausländer. 21 200 Menschen sind auf Sozialhilfe angewiesen, 31 200 sind arbeitslos.Das Bezirksparlament: Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hat derzeit 69 Sitze und wird auf 55 Sitze verkleinert. Nach den Wahlen im Oktober 1999 verfügte die CDU mit 35 Sitzen über die absolute Mehrheit. Im Zusammenhang mit den Spendenskandalen der Bundes-CDU hatten jedoch zwei Verordnete ihren Austritt erklärt. Die SPD-Fraktion hat zurzeit 20 Mitglieder, die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen 11 Mitglieder. Die PDS stellt zwei Verordnete, die FDP einen.Die Wahl: Neben den bisher in der BVV vertretenen Parteien CDU, SPD, Grüne, PDS und FDP treten in Charlottenburg-Wilmersdorf auch die Republikaner, die Grauen Panther, die "Wählerinitiative Wähler und Kleingärnter" sowie die "STATT Partei Die Unabhängigen" an.BLZ/KATRIN BORN Charlottenburg-Wilmersdorf. Die CDU stellt im Bezirksparlament die stärkste Fraktion.DIE SPITZENKANDIDATEN // BLZ/HERSCHELMANN Andreas Statzkowski: Der 45-jährige Lehrer ist derzeit Bürgermeister für die CDU. Zuvor war er acht Jahre lang Stadtrat in Wilmersdorf. Die CDU setzt sich unter anderem dafür ein, dass die Sportvereine Grundstücke kaufen können, damit die Vereinsarbeit gesichert wird.BLZ/HERSCHELMANN Monika Thiemen: Die 47-jährige Bürgermeisterkandidatin der SPD ist derzeit Finanzstadträtin. Von 1993 bis 1995 und 1999 bis 2000 war sie bereits Stadträtin in Wilmersdorf. Eines der wichtigsten Ziele der SPD ist es, die absolute Mehrheit der CDU im Bezirk zu verhindern.BLZ/HERSCHELMANN Martina Schmiedhofer: Die jetzige Sozialstadträtin ist Spitzenkandidatin der Grünen. Die 44-Jährige saß bis 1996 für ihre Partei im Stadtparlament von Frankfurt/Main. Die Grünen fordern unter anderem mehr Geld für Familien statt für den Ausbau des Straßennetzes.