Steinhöfel.Heftiges Für und Wider löste am Wochenende die öffentliche Präsentation des "lnvestitionsvorhabens Steinhöfel der Berlin-Charlottenburger Uhren- und Schmuckfabrikantin Evelyn Gutman aus.Brandenburgs sonst ruhiger und zurückhaltender oberster Denkmalschützer rastete am Sonnabendnachmittag aus. Mit ungewohnter Emotionalität tat Landeskonservator Detlef Karg im Steinhöfler "Ulmenhof" kund, daß er keineswegs wie Frau Gutman in ihrer Hochglanzbroschüre behaupte, deren Pläne für Steinhöfel bei Fürstenwalde befürworte. "Ganz im Gegenteil, ich halte das Ganze für eine lllusion, die weder In Beziehung zum Planungsrecht noch zum Denkmalschutz steht und daher kaum Aussicht auf Genehmigung hat", ließ Karg die potentielle Investorin sowie ihren aus Berlin und Beelen in Westfalen angeruckten Planungs- und Propagandastab ungeschminkt wissen. Von "preußischen Beamtenseelen" sei natürlich nicht zu erwarten, daß sie unkonventionellen Visionen folgen könnten, schossen die Angegriffenen zurück. "Es wird Zeit, daß Steinhöfel endlich aus seinen Dornröschenschlaf erwacht", so Frau Gutman.Tip von Maklerin"Von einer Maklerin" hatte Evelyn Gutman kurz nach der Wende den Tip Steinhöfel bekommen. Seither Ist die Inhaberin des Gestüts "Bon homme" in Bramsche bei Osnabrück von der Idee besessen, hier ein "Internationales Institut für Klassische Reitkunst in der Art der "Spanischen Hofreitschule" In Wien zu installieren. Der "Lehm", aus dem sie den Ort umformen will, ist ein Dorf-, Schloß- und Parkensemble, das für Brandenburgs Denkmalschützer "zu dem Wertvollsten, was sich vom Berliner Frühklassizismus aus der Zeit vor Schinkel und Lenne überhaupt erhalten hat", gehört.Herrenhaus und Gut hatte 1790 der königliche Oberhofmarschall Valentin von Massow erworben. Er ließ Schloß und Dorf erneuern sowie nach Wörlitzer Vorbild einen Landschaftsgarten anlegen, der selbst den zurückhaltenden märkischen Wandersmann Theodor Fontane im Mai 1862 Ins Schwärmen brachte.Heute ist diese Schönheit unübersehbar angenagt. Vom Schloß brökkelt der Putz. Der Park ist mehr wildromantisch als gepflegt.Einer Minderheit unter den Steinhöflern, wie der Bürgerinitiative "Erbe Preußisches Kulturdenkmal", kommt Frau Gutmans Konzept daher gerade recht. Die Mehrheit der Einwohner Jedoch steht trotz der versprochenen 170 Arbeitsplätze ihrem Plan mit großer Skepsis gegenüber. Denn, um das Gestüt auf wirtschaftlich gesunde Füße zu stellen, hält das Beelener Planungsteam noch eine Spielbank im Schloß "im Stil von Monaco", ein Nobelhotel, eine Beauty-Schönheitsfarm' eine Ortsrandsiedlung für Gutbetuchte sowie das zeitgemäße Durchstyen des Dorfkernes mit vielen Geschäften und Boutiquen für erforderlich.Weitere InteressentenAm Donnerstag will die Gemeindevertretung über die Pläne der Schmuckfabrikantin entscheiden. Noch gehört Frau Gutman in Steinhofel nicht ein einziger Quadratmeter Grund und Boden und keine Immobilie. Auch völlig alternativlos, wie behauptet werde, stehe ihr Angebot nicht da, weiß Steinhöfels Amtsdirektor Wolfgang Funke. Die von ihm beauftragte "Ostbrandenburgische Wirtschaftsförderungsgesellschaft" habe inzwischen ein Dutzend andere, sich in maßvolleren Rahmen bewegende Investoren akquiriert.Nach einer Pferdedressur-Vorführung vor dem Schloß stellte Frau Gutman am Sonnabend ihr "lnvestitionsvorhaben Steinhöfel" vor.