Chef der Anti-Terror-Einheit tritt zurück: Scotland Yards peinliche Panne

LONDON. Nach der Verhaftung von zwölf Terror-Verdächtigen in Nord-England ist ein heftiger Streit um die Einwanderungspolitik der Labour-Regierung entbrannt. Bis auf einen britischen Staatsbürger waren die jungen Männer allesamt mit Studenten-Visa aus Pakistan ins Land gekommen. Premierminister Gordon Brown sprach von "einer sehr großen Verschwörung", welche die Polizei erfolgreich vereitelt habe. Medienberichten zufolge sollten Selbstmordattentäter Einkaufszentren und Nachtclubs in Manchester angreifen, womöglich bereits zu Ostern.Hunderte Polizeibeamten waren am Mittwochnachmittag an den Festnahmen beteiligt. Der ungewöhnliche Zeitpunkt war notwendig geworden, nachdem Großbritanniens höchster Terror-Bekämpfer unabsichtlich Details der bevorstehenden Aktion an die Öffentlichkeit gebracht hatte. Bob Quick wollte in der Downing Street den Premierminister unterrichten; beim Aussteigen aus dem Auto war seine Gesprächsunterlage mit dem Aufdruck "Secret" (Geheim) für Fotografen sichtbar. Zwar forderte der Nachrichtendienst MI5 umgehend die britischen Medien zur Geheimhaltung auf, doch kursierten die Details bereits im Internet. Quick reichte am Donnerstag morgen seinen Rücktritt ein.Der innenpolitische Sprecher der Konservativen mahnte die Regierung zu schärferen Kontrollen bei der Einwanderung. "Wir müssen dringend Anträge aus jenen Regionen besser überprüfen, wo wir vom Terrorismus konfrontiert werden", sagte Chris Grayling. Premier Brown forderte in einem Telefonat Pakistans Präsidenten Zardari zu besserer Zusammenarbeit auf: "Pakistan muss auch im eigenen Land mehr gegen den Terrorismus tun."Im vergangenen Jahr kamen 9 544 Studenten aus Pakistan auf die Insel; insgesamt vergeben britische Unis jährlich rund 330 000 Plätze an Ausländer, die erheblich höhere Studiengebühren bezahlen als Einheimische sowie EU-Bürger. Schätzungen zufolge beträgt der Beitrag ausländischer Studierender zur britischen Volkswirtschaft rund zehn Milliarden Pfund. Besonders weniger renommierte Hochschulen würden deshalb die notwendigen Checks vernachlässigen, fürchten Experten wie Anthony Glees vom Zentrum für Geheimdienst-Studien an der Buckingham-Universität.Seit den Anschlägen vom 7. Juli 2005 auf die Londoner U-Bahn und einen Bus mit mehr als 50 Toten herrscht in Großbritannien erhöhte Terrorgefahr.------------------------------Polizist suspendiertDer Polizist, der während der G20-Proteste den Unbeteiligten Ian Tomlinson geschlagen hat, ist vom Dienst suspendiert worden. Tomlinson starb kurz nach dem Angriff an Herzversagen.Der Angriff wurde per Video aufgenommen. Eine Fotografin berichtete, dass Polizei und Tomlinson schon vorher aneinander geraten waren. Die Zeitung "The Sun" vermeldete, der Mann habe die Polizei provoziert, indem er trotz Aufforderung nicht zur Seite ging.------------------------------Foto: Nicht aufgepasst: Bob Quick hält ein Geheimpapier lesbar in die Kamera.