Regionalligist 1. FC Union Berlin sorgt wieder mal für Aufsehen. Sechs Tage vor dem Topspiel gegen Spitzenreiter Tennis Borussia wurde in einer Nacht-und-Nebel-Aktion Cheftrainer Hans Meyer überraschend entlassen und durch den ehemaligen Wolfsburger Coach Eckhard Krautzun ersetzt.Fußballzeiten sind schnellebig. Ganz besonders an der Alten Försterei. Während Hans Meyer gestern mittag im heimischen Bad Hersfeld "seine Wunden leckte", übernahm Eckhard Krautzun gerade an der Alten Försterei das Kommando.Die Fakten: Am Montag um 10.54 Uhr verschickte der 1. FC Union ein Fax. In dürren Worten wurde die Beurlaubung von Trainer Meyer und gleichzeitig die Nachricht bekanntgegeben, daß Eckhard Krautzun ab 3. Oktober für die ungeschlagen auf dem zweiten Tabellenplatz stehende Mannschaft verantwortlich ist. Eine Begründung für diese Schritte gab es nicht. Die Union-Bosse - allen voran die Führungsriege Dr. Horst Kahstein (Präsident), Wolf Wittstock (Vizepräsident) und Kurt Röke (Schatzmeister) - gingen "auf Tauchstation".Gestern mittag hatte der gerade erst ins Präsidium aufgerückte Wittstock die Aufgabe, der Mannschaft den neuen Trainer vorzustellen. Der Präsident und auch Manager Gerd Kische waren nicht vor Ort Wolf Wittstock war es auch (im Beisein des Managers), der dem völlig perplexen Hans Meyer dessen Entlassung mitteilte. Begründung: Auch da Fehlanzeige.Hans Meyer war erst in der Winterpause der Vorsaison nach Berlin geholt worden. Der bis dato erfolgreiche Trainer sollte alle Freiheiten bekommen, um den Aufstieg zu bewerkstelligen. 14 Spieler wollten oder mußten unter seiner Regie gehen. Zehn Neulinge baute Meyer ein.Aber inzwischen galt Meyer als Kritiker der wirtschaftlich schwierigen Situation im Verein. Ihm behagte es nicht, daß Union "auf Gedeih und Verderb" vom Hauptsponsor, dem Dortmunder Gönner und Bauunternehmer Manfred Albrecht abhängig sei. Trotzdem wehrt sich Meyer gegen Vorwürfe, er habe gegen die Firma Albrecht argumentiert. "Das ist eine klare Lüge", so Meyer, "das einzige, was im Verein wirklich funktioniert, ist die Mannschaft und das Engagement von Herrn Albrecht."Schon seit Wochen war allerdings das Verhältnis zwischen Trainer Meyer, Manager Kische (der auf Betreiben Meyers aus Rostock kam) und Dr. Kahstein getrübt. Zwischen den drei "Machern" herrschte mehr oder weniger Sprachlosigkeit.Meyer, unzufrieden mit der wirtschaftlichen Gesundung des Vereins - kein Trikotsponsor, keine richtige Vermarktung des Stadions -, hatte sich die Frage erlaubt, ob denn Manager Kische einen Halbtagsjob bei Union habe. Die jüngsten Entscheidungen scheinen offenbar zu einem großen Teil Produkt verletzter Eitelkeiten zu sein.Hans Meyer wird in diesen Tagen seinen Vertrag, der bis Juni 1996 gültig ist, noch mal "abklopfen" und sich dann einen Anwalt nehmen. Auch sein Vorgänger Frank Engel, inzwischen bei Rot-Weiß Erfurt, wartet noch auf Geld von Union.Eckhard Krautzun kann jedenfalls von sich behaupten, die mit Abstand größte Anzahl an Vereinen trainiert zu haben - im Vergleich zu seinen bisherigen Vorgängern an der Alten Försterei. Der 54jährige saß in Afrika, Asien und Amerika auf der Trainerbank. In Deutschland war er bei 1860 München, Wormatia Worms, Union Solingen, Tennis Borussia, Darmstadt 98, Alemannia Aachen, SC Freiburg und zuletzt beim VfL Wolfsburg tätig, wo er vor dem Pokalfinale im Juni "gegangen" wurde. +++