Die Choreografie der chinesischen Justiz hat auch er nicht umzuwerfen vermocht. Zwar hat es Bo Xilai selbst noch in Handschellen und schwarzen Joggingschuhen verstanden, den Gerichtssaal als Bühne für seine Inszenierung zu nutzen. Doch am Ende war er lediglich ein nichtssagender Schauspieler, der das Drehbuch ein wenig störte. Er wusste, wie der große Regisseur, die Kommunistische Partei, tickt. Mehr als sein zerknirschtes Lächeln und einem lauten Aufschrei gegen die Ungerechtigkeit, die ihm angetan wird, hatte der ehrgeizige Ex-Parteifunktionär den Mächtigen nicht entgegenzusetzen.

Chinas Gerichte sind nicht unabhängig. Sie gehorchen den Weisungen der Partei, sei es nun bei vermeintlich nichtsnutzigen Dissidenten oder bei großen Parteifischen, die aus den eigenen Reihen ausgeschlossen werden. So ist auch das Abschmettern des Berufungsantrags von Bo Xilai keine Überraschung. Der Führung war sehr daran gelegen, den Fall Bo hinter sich zu lassen, diesen Schandfleck von der Fahne der Partei zu tilgen. Damit will sie Stärke zeigen. Seht her, wir machen auch vor eigenen Reihen nicht Halt! Sie vergisst dabei gern, dass sie nicht den ganzen Fall aufrollen ließ. Zu groß ist die Angst vor weiteren Enthüllungen, zu gefährlich der Kontrollverlust. Die KP hat das Urteil bestellt, sie ließ es nun auch bestätigen. Die Akte Bo spiegelt die Willkür im chinesischen System wider.