Bei der siebten künstlichen Befruchtung soll es endlich geklappt haben: Die Panda-Bärin Yan Yan ist trächtig - dank der Panda-Experten Zhang Gui Quan und Peng Zhenxin. Die beiden waren eigens aus China angereist, um das Nachwuchs-Drama im Zoologischen Garten zu beenden. Was niemand wusste: Im Gepäck hatten sie einen tiefgefrorenen Samencocktail mehrerer Pandas aus dem Pekinger Zoo. "Wir gehen davon aus, dass er gewirkt hat", verkündete gestern Peng Zhenxin, der Direktor des Riesenpanda-Zentrums in Peking. Den Beweis dafür liefere Yan Yans Hormonspiegel. "Der Progesteron-Wert ist stark erhöht. Das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass sich die Eizelle in der Gebärmutter eingenistet hat", sagte Peng. Hundert Prozent sicher könne man sich allerdings erst in ein paar Wochen sein - wenn der Panda-Nachwuchs bei der Ultraschalluntersuchung zu sehen sein wird.Das ist eine handfeste Überraschung, denn als die Experten vergangene Woche von ihrer Fruchtbarkeits-Mission berichteten, war von dem Sperma-Mitbringsel noch keine Rede. Da hatten die beiden lediglich verkündet, sie wollten Yan Yan erst mal gründlich untersuchen "Wir wollten den Berlinern nicht allzu viele Hoffnung machen", erklärte gestern Zhang Gui Quan, der stellvertretende Leiter des Panda-Nationalparks in Wolong.Bao Bao schaffte es nicht Zhang räumte ein, dass auch er zunächst den Verdacht hegte, dass die 19-jährige Yan Yan einfach nicht reproduktionsfähig sei. Dafür hatte es zuvor zahlreiche Anzeichen gegeben. So hatte der Pekinger Zoo Yan Yan schon vier Mal vergeblich zur Zucht ausgeliehen, bevor er sie im Jahr 1995 nach Berlin ziehen ließ, dorthin, wo bereits Bao Bao auf sie wartete. Jener Panda-Mann, den die chinesische Regierung 1980 Helmut Schmidt schenkte und der nun allmählich auf die 30 zugeht. Bao Bao indes zeigte wenig Interesse am Sex - obwohl er über ordentliches Sperma verfügen soll. Damit hatten Berliner Fachleute Yan Yan immer mal wieder im Frühjahr künstlich befruchtet, in jenen wenigen Tagen, in denen eine Panda-Bärin überhaupt empfängnisbereit ist. Warum das nicht klappte? "Manchmal vertragen sich Eizellen und ein Sperma einfach nicht", sagte Zhang. Jetzt heißt es abwarten und hoffen. Über die Dauer einer Panda-Schwangerschaft gibt es unerschiedliche Angaben. Sie kann zwischen 100 und 160 Tage dauern. Zeit genug für den Zoo, sich auf einen Besucheransturm vorzubereiten, der dann im August losbrechen könnte - wenn alles gut geht. Denn leider überleben viele Panda-Kinder die ersten Wochen nicht.Mini-Pandas sind zunächst sehr empfindliche haarlose, blinde Wesen, die gerade Mal hundert Gramm wiegen. "Allerdings konnten wir die Sterblichkeit von Panda-Babys in den letzten Jahren stark senken", sagte Peng und versprach weitere Hilfe für die Zeit nach der Geburt. Die ist wohl durchaus im Interesse seiner Regierung: Der kleine Panda wäre nämlich chinesisches Staatseigentum, so wie alle Artgenossen, die irgendwo außerhalb Chinas auf die Welt kommen.Es scheint allerdings wenig wahrscheinlich, dass die Chinesen den Neuling zu sich nach Hause holen wollen. Schließlich sind sie in Sachen Pandanachwuchs ziemlich verwöhnt. Und außerdem würden sie wohl eine diplomatische Krise riskieren. Spätestens nach sechs Wochen sind kleine Pandas nämlich extrem niedliche Minivarianten ihrer Eltern. Ein solch süßes Wesen werden die tierlieben Berliner bestimmt nicht gehen lassen - zumal sie doch schon so lange auf das Wunder gehofft haben, das nun endlich geschehen ist.------------------------------ Vom Aussterben bedroht // Wildnis: Rund 1 000 Große Pandas leben in China noch in freier Natur. Sie sind vom Aussterben bedroht, weil ihr Lebensraum ständig schrumpft. Und weil sie sich mit der Vermehrung so schwer tun. Pandas sind Einzelgänger und treffen sich nur zur Paarung.Vermehrung: Nur im Frühjahr sind die Bärenweibchen für wenige Tage empfängnisbereit. In Gefangenschaft zeigen die Tiere allerdings wenig Interesse an Sex. Angeblich versuchen manche Zoos, die Fantasie der Tiere mit Panda-Pornos anzuregen.Befruchtung: Normalerweise verhelfen Tierparks sich durch künstliche Befruchtung zu Pandanachwuchs. Auch im Berliner Zoo hat man das ausprobiert. Versuche, Yan Yan mit dem Samen ihres Zoo-Gefährten Bao Bao zu befruchten, waren vergebens.------------------------------ Foto: (2) Endlich im Mutterglück: Die Pandabärin Yan Yan wurde schon viele Male künstlich befruchtet. Bisher waren alle Versuche fehlgeschlagen. Jetzt hat es geklappt. In vier Monaten könnte der Nachwuchs zur Welt kommen.Wie kuschelige, tapsige Teddybären sehen die Pandabärenbabys in den ersten Monaten aus.