Das elektronische Ticket wird voraussichtlich im Jahr 2003 als Fahrausweis in Bussen und Bahnen eingeführt. Das sagte am Dienstag der Vorstandschef der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Rüdiger vorm Walde. Bei einem Feldversuch sei das Ticket "auf große Akzeptanz bei den Kunden" gestoßen. Fast alle hätten das neue System als einfach und übersichtlich empfunden.Das elektronische Ticket ist so groß wie eine Scheckkarte und verfügt über einen Computerchip. Die Kunden müssen die Karte beim Ein- und Aussteigen in einem Abstand von zehn bis 15 Zentimetern an einem Lesegerät vorbeiführen. An speziellen Boxen laden die Fahrgäste die Chipkarte auf. Das Fahrgeld wird automatisch abgebucht.An dem siebenmonatigen Test in Berlin haben sich insgesamt 26 000 Personen beteiligt. Das Verfahren des Ein- und Auscheckens zu Beginn und am Ende einer Fahrt sei von den meisten Kunden problemlos akzeptiert worden, heißt es bei der BVG. Der Anteil der Personen, die dieses Verfahren mit zufrieden stellend oder besser beurteilten, sei von 80 Prozent im November 1999 auf 96 Prozent im März 2000 gestiegen. Eine hohe Akzeptanz für das Ticket gibt es laut BVG bei 71,4 Prozent der Testpersonen. Die übrigen 28,6 Prozent der Befragten stehen dem neuen System unentschieden gegenüber oder haben Vorbehalte.Gut angenommen haben die Fahrgäste laut BVG zusätzliche Leistungen des elektronischen Tickets, die von Geschäftsleuten gewährt wurden. Mehr als 80 Prozent der Befragten äußerten sich überzeugt, dass es "zukunftsweisend" sei, wenn Nahverkehr und Einzelhandel zusammenarbeiten. Vorm Walde sagte, das elektronische Ticket werde nicht zu einem festen Termin überall in Berlin eingeführt, sondern schrittweise. Im Frühjahr kommenden Jahres soll zunächst über einen zweiten Großversuch entschieden werden. Die Vorteile des neuen Systems sieht der BVG-Chef darin, dass damit eine "flexible Tarifgestaltung" möglich ist. Konkrete Angaben über Preise machte vorm Walde nicht dazu. In einer Broschüre der BVG heißt es aber, "dass jeder nur für die Strecke und die Zeit bezahlen wird, die er auch gefahren ist". Machbar seien auch Preisnachlässe für Vielfahrer.Der Berliner Fahrgastverband betrachtet die Überlegungen der BVG zu flexibleren Tarifen mit Sorge. "Das Tarifsystem darf für Dauernutzer keine zusätzlichen Belastungen bringen", sagt der Sprecher des Verbandes, Matthias Gibtner. Zu verbessern sei auch die Technik beim elektronischen Ticket. Es sollte ein Verfahren gewählt werden, bei dem die Fahrgäste das Ticket nicht aus der Tasche herausholen müssen.Der Grünen-Politiker Michael Cramer bezeichnete es als positiv, dass die BVG mit dem elektronischen Ticket erfahre, welche Strecken besonders stark genutzt werden. Von den Fahrgästen entstehe jedoch auch ein "umfassendes Mobilitätsprofil". Es müsse gesichert sein, dass die Daten anonymisiert würden.Sechs Test-Linien // Das elektronische Ticket ist auf folgenden Bahn- und Buslinien getestet worden: Auf U 2 und U 4, auf den Bus-Linien 100 und 348; auf der S-Bahn zwischen Zoo und Alex sowie auf der Straßenbahnlinie 2.