Herr Bale, im Film "Der Maschinist" spielen Sie einen Mann, der seit einem Jahr unter Schlaflosigkeit leidet. Dafür haben Sie 29 Kilo abgenommen. Hat das Ihr Regisseur von Ihnen verlangt?Nein, mir war allein von Anfang an klar, dass ich für den Film abnehmen muss. Ich schlug es meinem Regisseur Brad Anderson vor, und er meinte nur: "Jedes Pfund, das du runter bekommst, wäre wunderbar." Also fing ich an. Ich wollte diesen Anblick erreichen, den ich selbst in meinem Kopf hatte. Das bedeutete schlicht, sehr viel Gewicht zu verlieren. Ab einem bestimmten Punkt wusste ich, dass ich es schaffen kann und machte einfach weiter. Als ich merkte, dass ich tatsächlich auf das Gewicht kommen könnte, das im Drehbuch stand, also 55 Kilo, habe ich mich bis dahin runter gehungert. Wurden Sie ärztlich betreut?Ich bin nur einmal zu einer Ernährungsberaterin gegangen und habe ihr gesagt, dass ich viel Gewicht verlieren würde. Da gab sie mir Eisentabletten, um meine Blutwerte stabil zu halten. Ich habe ihre Anweisungen bis zu einem bestimmten Punkt befolgt und dann auf eigene Faust weiter gemacht.Das klingt obsessiv. Wie kann man sich das konkret vorstellen?Der Anfang war am schwersten, weil man da noch daran gewöhnt ist zu essen. Mir war sehr schnell klar, dass ich nicht weit kommen würde, wenn ich mein normales Leben führe und Freunde treffe, weil Essen und Trinken immer dazu gehört. Als ich damit aufhörte, wurde es viel leichter. Und ich wurde besessen, schätze ich. Als ich schließlich nach Barcelona ging, wo die Dreharbeiten stattfanden, hatte ich dort keinerlei Ablenkung mehr, keine Anrufe, nichts. Ich saß nur da, war ruhig und dachte viel nach. Da purzelten die Pfunde richtig. Wie haben Sie sich motiviert? Mir war jederzeit klar, dass es der Film wert ist. Und ich wusste, ich mache eine Diät für vier Monate, danach drehe ich zwei Monate, das sind nur sechs Monate meines Lebens. Auf wie viele Monate blicke ich zurück und kann nicht wirklich etwas Interessantes darüber sagen? Monate, die nur so vorübergingen?Wird man nicht übellaunig, wenn man Hunger hat?Man muss durch diese Phase der Reizbarkeit - und ich war für einige Zeit sehr bissig und wollte jedem den Kopf abreißen, weil ich so hungrig war. Aber wenn man länger nichts isst und der Magen schrumpft, nimmt auch das Hungergefühl ab. Und man verliert Energie, alles verlangsamt sich, selbst das Sprechen fällt immer schwerer. Ich wurde ruhiger, als ich es jemals zuvor in meinem Leben war. Mein Herzschlag war so verlangsamt, dass sich in meinem Kopf eine Art Zen-Gefühl ausbreitete. Meiner Frau hat diese Persönlichkeit sehr gefallen, auch wenn sie auf den Körper nicht so scharf war.Sie hatten bisher hoch gelobte Auftritte in Independent-Filmen wie "American Psycho" oder "Velvet Goldmine". Wonach suchen Sie Ihre Rollen aus?Ich möchte mich nicht darauf verlassen, dass ich der Typ bin, der die abgedrehten Charaktere spielt. Das finde ich genauso langweilig wie wenn jemand nur in romantischen Komödien auftaucht. Das bedeutet natürlich, dass ich mir viele Angebote durch die Lappen gehen lasse, aber es lohnt sich hoffentlich, weil ich mir so die Rosinen rauspicke: Filme, die dem entsprechen, was ich mir vorstelle.Bald aber werden Sie einen Superhelden in einem Blockbuster spielen: Batman. Was bedeutet das für Sie?Je größer die Produktion, um so mehr Leute müssen gefragt werden und jede Entscheidung geht durch, unzählige Instanzen. Das ist nie gut. Aber ich versuche, es wie jede andere Geschichte anzugehen und nicht daran zu denken, dass es um einen Haufen Geld geht, ein großes Studio dahinter steht, das bestimmte Erwartungen hat. Batman ist im Grunde ein sehr komplexer Charakter, den wir hoffentlich auf eine völlig neue Weise zeigen werden, selbst wenn es die fünfte Verfilmung ist.Die größte Herausforderung dürfte aber doch die körperliche sein, weil Batman sehr muskulös ist.Das stimmt. Ich musste schnell wieder Gewicht zulegen, ohne fett zu werden. Ich habe nur gefressen und Krafttraining, Kampfsport und Stunts gemacht. Wochenlang.Interview: Thomas Abeltshauser------------------------------Übernächtigt an der Werkbank // Christian Bale, 30, wurde vor allem durch seine Darstellung des Norman Bates in dem Film "American Psycho" bekannt. Als "Maschinist" Trevor Reznik steht er tagsüber an einer Werkbank und hängt nachts schlaflos in einer Flughafenbar herum. Der Regisseur Brad Anderson inszenierte den Film als Psychothriller in der Tradition von Alfred Hitchcock und David Lynch. "Der Maschinist" kommt am Donnerstag in die deutschen Kinos. Siehe die Rezension im Kultur- kalender auf Seite 2.------------------------------Foto: Der Fabrikarbeiter Trevor Reznik, ein durch Schlafentzug gepeinigter Mensch, wird von Christian Bale gespielt.