BERLIN, 3. Oktober. Es wäre ein großer Tag für Lothar Hamann geworden. Schließlich war er es, der Daniel Teixeira überzeugt hat, wieder für den 1. FC Union zu spielen. Der lange verletzte Torjäger stellte beim 7:0-Sieg des Oberligisten beim Torgelower SV zum ersten Mal jene Klasse unter Beweis, die ihn schon früher zu einem Ausnahmestürmer bei den Amateuren gemacht hatte. Der Brasilianer erzielte vier Treffer, doch Lothar Hamann konnte sich darüber nicht mehr freuen. Der sportliche Leiter hat seinen Job verloren und sich mit der Vereinsführung, die hinter seinem Rücken seit längerem einen Nachfolger gesucht hatte, auf eine Abfindung geeinigt. Seit wenigen Tagen hat seinen Posten nun Christian Beeck inne.Mann der lauten TöneBeeck nennt sich Teammanager. Er war schon als achtjähriger Jugendspieler bei Union, und Hamann sein Trainer. "Es tut mir Leid für Lothar", sagt er, "aber so ist das Geschäft. Genauso kann es mich mal treffen." Der eisenharte und laute Verteidiger Beeck galt jahrelang als Prototyp jenes Profis, mit dem Energie Cottbus unter Eduard Geyer die Bundesliga aufmischte. Nun ist er zurück bei seiner alten Liebe Union, weil er seit Oktober wegen einer schweren Knieverletzung Sportinvalide ist, ein Wechsel ins Cottbuser Management an Dissonanzen mit der neuen Vereinsführung scheiterte - und weil es Hamann und dem teuersten Ensemble der Liga nach Ansicht des Präsidenten Dirk Zingler vor allem an jenem Selbstbewusstsein fehlte, das Christian Beeck verkörpert. "Er soll bei uns mehr Leben reinbringen", sagt Zingler. Denn auch Union-Trainer Frank Lieberam ist ein introvertierter Typ. So mancher Spieler beklagt hinter vorgehaltener Hand, der Übungsleiter habe noch kein längeres Gespräch mit ihm geführt."Zu mir kam noch kein Spieler und hat sich beklagt", sagt Beeck, "und wenn, dann schicke ich ihn direkt zu Lieberam". Kurze Pause. "Ich hatte auch Trainer, die wochenlang nicht mit mir gesprochen haben". Lieberam ist jedenfalls das genaue Gegenteil von Beeck, der nun Mühe hat, ein anderes Bild zu zeichnen als jenes vom Aufpasser für den Cheftrainer. Denn der 33-Jährige mit Wohnsitz Ludwigsfelde ist nicht nur beim Training dabei, sondern auch bei allen Ansprachen in der Kabine. Und er sitzt mit auf der Bank. Klar doch, dass er bei so viel Nähe auch sportliche Statements abgibt. "Die erste Halbzeit haben wir gespielt, wie es sein muss", sagte er nach dem 7:0, " die zweite Hälfte war nur noch Rumgealbere." Lieberam betont, er begrüße Beecks Verpflichtung. Was soll er sonst sagen?Die ersten Gerüchte wabern: Der Neue, heißt es, werde irgendwann den Vorturner beerben. "Das ist kompletter Unsinn", sagt Beeck. Abgesehen davon, dass er lediglich die C-Lizenz besitze, habe er keine Ambitionen auf den Posten: "Ich sehe meine Zukunft nicht auf der Bank." Bereits im Winter, sagt Beeck, dessen Kontrakt vorerst nur bis Juni 2006 läuft, könnte noch der ein oder andere Spieler verpflichtet werden. "Wir brauchen noch mehr Siegermentalität", sagt Beeck.------------------------------Foto: Schattenmann: Teammanager Beeck (r.) und Trainer Lieberam.