Der Verlag Hoffmann und Campe scheint sich zum Spezialisten für aktuelle Sachbücher im Medienbereich zu entwickeln. Vor wenigen Monaten warf er den Hintergrund-Report zur Krise des Kirch-Konzerns auf den Markt. Der dritte Irak-Krieg ist kaum zu Ende, da beweisen die Lektoren der Verlagsgruppe Ganske erneut, wie schnell sie den Informations- und Deutungsbedarf des Publikums befriedigen können. "Ein Bild vom Krieg. Meine Tage in Bagdad" lautet der Titel der unlängst erschienenen Schilderung über Fernsehjournalismus in der Krisenregion. Autor ist Christoph Maria Fröhder, einer der renommiertesten Reporter im deutschen Fernsehen, ein kundiger Vertreter des investigativen Journalismus. Wenn er nicht gerade damit befasst ist, im Frankfurter Raum einen Finanz- oder Politikskandal aufzudecken, treibt er sich seit Jahren als Korrespondent an den Kriegsfronten dieser Welt herum: Schon in Vietnam war er dabei, den Irak kennt er nicht erst seit dem Golf-Konflikt Anfang der neunziger Jahre. Neugier, Mut und Raffinesse Christoph Maria Fröhder versteht sich weniger als Kriegsberichterstatter. Er zieht die Bezeichnung "Krisenreporter" vor. Zu Recht. Dem ARD-Mann kommt es nicht auf das spektakuläre Bild und die Sensationsgeschichte an. Fröhder will hinterfragen, deuten und Einsichten vermitteln. Neugier, Mut und Raffinesse mischen sich bei ihm mit hohem, stets reflektiertem journalistischen Anspruch. Von diesem Geist lebt auch sein Buch.Damit ist ihm etwas Erstaunliches gelungen: Für den interessierten Leser liefert er einen spannend geschriebenen Einblick in den Alltag eines Reporters im Krieg, den Journalistenkollegen präsentiert er eine Anleitung für die Praxis der Krisenreportage sowie eine Ethik für die Berichterstattung unter Zensur-bedingungen. Nicht zuletzt aber bedient er die Medienkritiker. Denn was der Autor anhand praktischer Beispiele über schwerfällige Entscheidungsstrukturen und Abläufe in der ARD vorlegt, kann die Debatte über Strukturschwächen des öffentlich-rechtlichen Gemeinschaftsprogramms neu beleben. Fröhder lässt den Leser teilhaben an seiner Recherche, seinen Ängsten und auch Skrupeln bei der Arbeit; er weckt Verständnis für den hohen moralischen Anspruch an das, was er tut, und er lässt auch schmunzeln darüber, wie er die Aufseher und Zensoren austrickste: So zerriss er einmal vor den Augen des irakischen Informationsministers ein Papier mit Hinweisen auf verbotene Drehorte. Als er dem Minister erklärte, dass er das nicht akzeptieren dürfe, da ihm in Deutschland für diesen Verstoß gegen Pressefreiheit und Grundgesetz eine hohe Gefängnisstrafe drohe, hatte er die Denkweise der Diktatur getroffen und konnte mit Nachsicht rechnen. Freilich: Vermittelt Fröhder im ersten Drittel des Buches den Eindruck, als würden sich seine Reportertugenden auch als Buchautor durchgängig bewähren, indem er auf politische Spekulationen verzichtet, gibt er diese Zurückhaltung im weiteren Verlauf auf. Ihn interessieren, wie er schreibt, nicht die Motive, die zu diesem Krieg führten, sondern die Mittel, mit denen er propagandistisch vorbereitet wurde. Dass er dabei mitunter auch sattsam bekannte politische Vorbehalte gegenüber den USA wiederholt, bringt dem Leser an dieser Stelle keine neuen Einsichten. Seinen Vorwurf, dass die elektronischen Medien hier zu Lande vor Ausbruch des Krieges (als Fröhder also noch hier war) unkritisch über den bevorstehenden Irak-Konflikt berichtet hätten, muss man nicht teilen. Auch die Kritik an der neuen Form des "Embedded Journalism", der eingebetteten Journalisten, ist zu pauschal. Journalisten, die die amerikanischen Truppen begleiteten, waren schließlich nur eine von vielen Quellen in diesem Krieg. Die jeweilige Heimatredaktion muss diese Quellen gewichten, einordnen und damit auch verhindern, dass die möglichen Absichten amerikanischer Militärs aufgehen. Wie man das erfolgreich macht, hat etwa RTL mit seiner Irak-Berichterstattung bewiesen. Da gab es natürlich nicht nur die militärisch "hautnahen" Beiträge von Begleitreporter Ulrich Klose, sondern auch die der unabhängig tätigen Antonia Rados in Bagdad. Wie ein Krisenreporter arbeitet Dennoch sei Fröhders Buch jedem empfohlen, der sich mit den Fernsehbildern nicht zufrieden gibt und ein wenig mehr erfahren will über die Geschichte hinter der Geschichte. Es zeigt, wie ein Krisen-Reporter arbeitet, was er leistet und welchen Druck - psychisch und physisch - er aushalten muss, bis seine Bilder auf dem Fernseher erscheinen. "In mir wächst die Befürchtung", resümiert der Autor am Schluss, "dass ich noch öfter aus dieser Region berichten werde, was nichts Gutes bedeuten würde, denn wenn meine Kollegen und ich irgendwo auftauchen, hat die Politik im Vorfeld versagt". Immerhin: Wer Fröhders Buch gelesen hat, wird auch das besser verstehen.Fast alle TV-Reporter, die über den Krieg im Irak berichteten, haben danach ein Buch geschrieben: Christoph Maria Fröhder: "Ein Bild vom Krieg. Meine Tage in Bagdad", Hoffmann und Campe, 14,90 Euro.Stephan Kloss: "Mein Bagdad-Tagebuch", Fischer Taschenbuch-Verlag, zwölf Euro.Antonia Rados: "Live aus Bagdad", Heyne-Verlag, erscheint Mitte Juli.Ulrich Tilgner schreibt noch an seinem Buch, das ab Herbst im Rowohlt-Verlag erscheinen soll.DPA/KARIM SAHIB Rauchwolken über Bagdad. Jetzt arbeiten die Reporter ihre Kriegserlebnisse auf.REPRO: BLZ