"Gemein sind wir stark" verspricht Christoph Sonntag in seinem neuen Progamm, doch so recht gemein will er nicht werden. Der Stuttgarter ist wohl ein harmonieliebendes Sonntagskind, dem das verbindliche Späßchen näherliegt als das zynische Bonmot. Was nicht heißt, daß es nichts zum Lachen gäbe. Schließlich ist Sonntag Schwabe. Ein humorträchtiges Kapital, das der Kabarettist selbstironisch und genüßlich verwertet. Amüsiert und bereitwillig läßt sich das Publikum in seinen Sprachunterricht einbeziehen. Und während ehemals nur noch die Ostfriesen belachenswerter waren, haben die Schwaben mit der Wiedervereinigung einen ungeahnten Wertzuwachs erfahren. Die Sachsen machen es möglich. Denn so dämlich und unverständlich ist der süddeutsche Stamm doch lange nicht.Ansonsten spielt Sonntag Geige, singt einen Rap-Song über Zeitgeist und Trend, läßt Feuer lodern und Rauch wallen. Er macht die üblichen Witze über Kohl, Scharping und Steffi Graf, betätigt sich als Nachrichtensprecher und naiver Zeitungsleser und läßt uns die Sinnkrise eines Lokalreporters erleben. Scharf wird er nur bei seiner Parodie auf rechtes Gedankengut und gemein nur in seinem Exkurs über Pickel und Fußpilze. Konrad Kraatz Christoph Sonntag, bis 14. Juli täglich 20 Uhr (außer montags), Kabarett "Die Wühlmäuse". +++