Der "1. Berlin Firefighter Stair Run" gehört zu den härtesten Wettkämpfen für Feuerwehrleute. Zu den 18 Frauen, die sich am Sonnabend daran beteiligt haben, gehört auch Cindy Koch. Die 33-jährige Grafikdesignerin gehört seit zehn Jahren zur Freiwilligen Feuerwehr Prenzlauer Berg.Frau Koch, Glückwunsch zum 2. Platz in der Kategorie Mix-Teams! Sie sind die schnellste Berlinerin und zusammen mit Ihrem Kameraden Sebastian Arnold in 11 Minuten und 37 Sekunden die 39 Etagen durch das Treppenhaus gerannt. Unvorstellbar! Wie fühlen Sie sich jetzt?Noch etwas komisch, etwas mulmig. Wir hatten nicht viel Zeit zum Trainieren gehabt. Umso überraschender, dass wir es trotzdem geschafft haben. Die Laufzeit bis nach oben kommt einem so unheimlich lang vor.Hatten Sie Angst, es nicht zu schaffen?Oben ankommen das war kein Thema, mein Kamerad wollte aber unbedingt, dass wir gut sind. Er hat diesen Ehrgeiz, ich weniger.Ihr Kamerad hat das Tempo vorgegeben, Sie mussten hinterherlaufen?Nein. Wir haben uns abgewechselt. Je nach körperlicher Verfassung, bin ich vorangegangen oder er.Eine Frau unter Feuerwehrmännern, das ist ungewöhnlich. Müssen Sie um Akzeptanz kämpfen?Als ich vor zehn Jahren, mit 23Jahren, bei der Freiwilligen Feuerwehr anfing, gab es zwei Frauen mit Ost-Biografien, ich war das erste westdeutsche Mädchen. Es ist nicht einfach, Akzeptanz zu finden.Trauten Ihnen die Kameraden nichts zu?So kann man es sagen. Es herrschen Vorurteile zwischen Mann und Frau, Ost und West. Definitiv.Warum wollten Sie dann zur Feuerwehr?Ausschlaggebend waren die Anschläge am 11. September 2001 in New York. Ich habe damals Internetseiten programmiert und mir wurde klar: Wenn der Strom ausfällt, dann reichen meine Fähigkeiten nicht, um jemandem zu helfen. Deshalb ging ich zur Feuerwehr.Männer spielen schon als Kinder mit Feuerwehrautos und wollen Feuerwehrmann werden. War das bei Ihnen auch so?Nein. Die Feuerwehr, so wie ich sie kennengelernt habe, bediente oft die klassischen Klischees ...... ich weiß: besoffene Männer, die laut prahlen und posen ...... und Frauen sind für sie nur Anschauungsobjekt, nach der klassischen Vorstellung des Mega-Ober-Machos: Komm, ich rette dich, Schätzchen. Das sind doch die klassischen Klischees und das ist definitiv unsexy. Es tut Männern nicht gut, wenn sie nur unter sich sind.Und in Berlin ist das anders?Teilweise schon. Bei uns auf der Wache sind wir sieben Frauen und 30 Männer. Das ist ein Anfang. Es tut einer Feuerwehrtruppe gut, wenn Frauen dabei sind. Es tut jeder Gesellschaft gut, wenn sie gemischt ist.Haben Sie Ihren Platz in der Feuerwehrtruppe gefunden?Ja, aber ich muss auch weiter darum kämpfen. Dabei ist es falsch zu sagen, Frauen müssten ihren Mann stehen oder Frauen müssten wie Männer kämpfen. Es ist für alle eine Chance, wenn es keine festgelegten Geschlechterzuweisungen mehr gibt. Wenn allerdings jeder in seiner Rolle verharrt, dann wird es hart für jeden. Dann ist es aber auch nicht schön.Das Gespräch führte Stefan Strauß.------------------------------Foto: Cindy Koch, Feuerwehrfrau Foto: Steiler Aufstieg: 400 Feuerwehrmänner und -frauen aus Europa beteiligten sich am Sonnabend beim Treppenlauf im Hotel Park Inn am Alexanderplatz. Beim "1.Berlin Firefighter Stair Run" gingen sie jeweils zu zweit und in voller Montur, mit Atemschutzmaske und etwa 25 Kilogramm Ausrüstung am Körper an den Start, wie beim realen Einsatz. Die Teams mussten die 770 Stufen bis zur Dachterrasse in der 39. Etage steigen und oben gemeinsam ankommen. Das Siegerteam aus Göttingen schaffte die Strecke in 6 Minuten und 9Sekunden.