Trotz der in den letzten Jahren enorm gewachsenen Rechenleistung auch des schäbigsten Privatlaptops gibt es immer noch genügend Gebiete, auf denen Wissenschaft nicht ohne Handarbeit möglich ist. Bilder von Galaxien etwa können von Menschen viel schneller und zuverlässiger als von Computern erkannt und klassifiziert werden. Allerdings hat der "Sloan Digital Sky Survey" bisher Fotos von etwa 900 000 Galaxien erzeugt - zu viel selbst für den arbeitsamsten Forscher. "Experimentell", berichtet der Astronom Chris Lintott, "haben wir herausgefunden, dass ein Student 50 000 Galaxien bestimmt, bevor er seinen Vorgesetzten sagt, wo sie sich die anderen 850 000 hinschieben können". Lintotts Lösung dieses Problems heißt galaxyzoo.org und ist eine Website, auf der Laien nach einem Crashkurs Galaxien sortieren.Galaxy Zoo gibt es seit Juli 2007; einen Monat später hatten die Teilnehmer bereits 12 Millionen Galaxien bestimmt. Jedes Bild wird im Schnitt von 65 Personen klassifiziert, so dass sich auch - je nach Übereinstimmung der Zuordnungen - feststellen lässt, wie zuverlässig das Ergebnis ist. Derzeit beteiligen sich ungefähr 165 000 Freiwillige, die unter anderem bisher etwa 1 000 einander überlappende Galaxien gefunden haben. Von diesen für einige Forscher besonders interessanten Systemen waren vor Galaxy Zoo gerade mal 20 bekannt. Dazu kommen diverse Zufallsentdeckungen der Kategorie "Was ist eigentlich dieser komische Fleck da?". Erste wissenschaftliche Veröffentlichungen auf der Basis der Galaxy-Zoo-Daten sind bereits erschienen.Woher der große Mitarbeitswille rührt, ist bisher nicht geklärt. Galaxy Zoo arbeitet gerade an einer ersten empirischen Untersuchung. "Wir können noch nicht sagen, was die Leute dazu bewegt, uns zu helfen, aber wir wissen relativ genau, woher sie die Zeit dazu nehmen: sie sehen weniger fern", fasst Lintott die Ergebnisse von Interviews im Vorfeld der Studie zusammen. Das passt zu Clay Shirkys im Frühjahr 2008 geäußerter Vermutung, dass das Fernsehen 50 Jahre lang einen "kognitiven Überschuss" verdeckt hat, der jetzt in die aktive Teilnahme am Internet fließt. Die Wikipedia, so Shirky, entspricht derzeit etwa 100 Millionen Nachdenkstunden, während allein in den USA jedes Jahr 200 Milliarden Stunden mit Fernsehen verbracht werden. Verringert sich der Fernsehkonsum nur um ein Prozent, wird pro Jahr die Denkzeit für 100 Projekte von Wikipedia-Umfang frei.Dass Laien sich wissenschaftlich betätigen, ist an sich kein neues Phänomen. Vom 17. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts beispielsweise wurden astronomische Beobachtungen in Großbritannien fast ausschließlich von Privatleuten durchgeführt. Und auch Galaxy Zoo ist kein Einzelfall. Der Wikipediaeintrag "Citizen Science" listet über 30 Projekte sowie diverse Blogs und Magazine auf. Am bekanntesten ist wohl SETI@home, das gleichzeitig einen Sonderfall darstellt, weil hier die Rechenzeit der Nutzer anstatt deren eigene Mitarbeit genutzt wird. Beim "Project Roadkill" sammeln Freiwillige Daten über überfahrene Tiere, und "Did You Feel It" macht Bürger zu unpräzisen, aber billigen und allgegenwärtigen Erdbebensensoren.Im deutschsprachigen Raum scheint es bisher keine größeren Citizen-Science-Projekte zu geben. Im günstigsten Fall liegt das daran, dass sich ähnliche Ansätze mangels eines griffigen Namens wie "Citizen Science", aber auch wegen ihrer begrenzten Reichweite weniger stark in den Medien niederschlagen als im englischsprachigen Raum.Wer die Vorstellung reizvoll findet, in seiner Freizeit zum wissenschaftlichen Fortschritt beizutragen, aber gleichzeitig die damit verbundenen Mühen scheut, dem empfehlen wir eine Mitarbeit am "WETI Institute": Im Unterschied zu SETI ("Search for Extraterrestrial Intelligence") besteht die Tätigkeit von WETI ("Wait for Extraterrestrial Intelligence) im Warten darauf, dass die Außerirdischen uns entdecken. "Die Nichtanwesenheit von Außerirdischen auf der Erde ist für die Wissenschaft nicht weniger nützlich als ihre Anwesenheit. Wir glauben nicht daran, dass Warten nur dann sinnvoll ist, wenn am Ende etwas passiert. Für uns ist Warten eine eigenständige wissenschaftliche Methode", erklärt der Institutsleiter Knarps Hoselton. Das sollte auch für ehrenamtliche Mitarbeiter ohne wissenschaftliche Ausbildung zu schaffen sein.