BANGKOK, 15. März. Vor fünf Jahren entführte "Commander Robot" 21 ausländische Touristen von der Insel Sipadan - darunter die Göttinger Familie Wallert - und ließ dank seines menschlichen Faustpfands von Manila bis nach Berlin Regierungen nach seiner Pfeife tanzen. Am Dienstagmorgen starb Galib Andang, so der richtige Namen des einbeinigen Abu Sayyaf-Terrorchefs, zusammen mit den zwei Kommandeuren Alhamser Limbong (Commander Kosovo) und Nadzmie Sabtulah (Commander Global). Sie kamen bei einer Revolte in einem Hochsicherheitsgefängnis nahe Manila im zweistündigen Kugelhagel von 300 Polizisten um.22 Gefangene starben beim Sturm auf das vierstöckige Gebäude. Die Revolte war am Montag von zehn Mitgliedern der radikalislamischen Gruppe Abu Sayyaf begonnen worden, die nach US-Angaben engen Kontakt zum Terrornetz El Kaida hält. Sie planten einen Ausbruch. Nach dem gescheiterten Fluchtversuch, bei dem drei Wärter und zwei Häftlinge starben, verbarrikadierten sich "Commander Robot" und Gefährten in der zweiten Etage. Noch Stunden nach der Erstürmung erinnerten Tränengasschwaden und beißender Geruch an die 120-minütige Schießerei.Unfähige Behörden"Der Terrorismus wird auf den Philippinen nie siegen", erklärte Staatspräsidentin Gloria Arroyo nach dem live im Fernsehen übertragenen Blutbad . Doch Abu Sulaiman, ein in Freiheit lebender Abu-Sayyaf-Sprecher, klang für viele Filipinos überzeugender, als er in einem Telefoninterview drohte: "Merkt Euch: Ihr braucht den Krieg nicht nach Mindanao zu bringen, wir bringen ihn zu eurer Türschwelle." In der Region im Süden des von Katholiken dominierten Landes leben überwiegend Moslems. Dort operieren auch mehrere Untergrundgruppen. Hunderte von US-Militärberatern wurden in den Süden geschickt, um Manilas Truppen zu unterstützen. Doch Abu Sayyaf tauchte immer wieder auf.Der Truppe, die mit El Kaida und dem südostasiatischen Ableger "Jemaah Islamiyah" in Verbindung steht, wird eine Anschlagserie in Manila am Valentinstag angelastet. 2004 starben 116 Menschen, als Abu Sayyaf eine Fähre in Brand steckte. "Commander Robot" war vor zwei Jahren schwer verletzt gefangen genommen worden. Ihm musste ein Bein amputiert werden.Die Behörden zeigen sich weitgehend unfähig. Vor elf Monaten flüchteten 50 Abu Sayyaf-Gefangene von der Insel Basilan. Ein Bombenbauer der "Jemaah Islamiyah" spazierte an schlafenden Wachen vorbei aus dem Polizeihauptquartier. Vor drei Monaten gelang zwei Häftlingen in muslimischen Frauenkleidern die Flucht. Jetzt gab es gar eine Warnung. "Wir wussten von dem geplanten Fluchtversuch und haben die Gefängnisleitung vor drei Wochen gewarnt", so ein Staatsanwalt. Unternommen wurde nichts.------------------------------Foto: Verletzte muslimische Rebellen nach der zweistündigen Schießerei