An der Kasse im Supermarkt steht ein Mann ohne Maske in der Schlange. Vielleicht legt der Inhalt seines Einkaufswagen nahe, dass er sich um Vorsichtsmaßnahmen nicht unbedingt sorgt. Zwei Paletten Dosenbier stapeln sich dort um kurz nach zehn am Morgen. Unwillkürlich stellt sich die Frage, ob das Personal, egal welchen Geschäfts, nach dem Mord in Idar-Oberstein mehr als zuvor davon absieht, solche Kunden zur Einhaltung der Maskenpflicht aufzufordern.

In diesem Supermarkt ist das allerdings eine eher theoretische Betrachtung, schließlich trägt hier die Hälfte der Belegschaft die Maske seit jeher bestenfalls unter der Nase, gerne auch an der Fleisch- und Käsetheke und während des Bedienens der Kundschaft. Am Impffortschritt liegt das übrigens nicht, denn so sah es hier schon aus, als die Infektionszahlen noch deutlich höher und Impfstoffe kaum verfügbar waren. Sind Menschen, die eine niedrigschwellige Maßnahme wie das Tragen einer Maske für unnötig halten, eigentlich gedanklich eher bei dem Täter als bei seinem Opfer?

Noch immer ist die Rede davon, wie selbstlos sich die Angestellten in den Supermärkten in der Pandemie zur Verfügung stellen und gestellt haben, den Risiken einer Infektion trotzend. Das trifft wahrscheinlich auch auf die meisten zu, nur: Wie hoch ist das solchen Leuten anzurechnen, die diese Risiken offensichtlich selbst gar nicht ernst nehmen und Schutzmaßnahmen für übertrieben halten? Wahrscheinlich ist bei denen im Laden einfach sehr lange auch ohne Masken alles gut gegangen – und das, obwohl sie ja selbst erst ein Jahr nach Beginn der Pandemie zum Tragen verpflichtet worden waren. Eine Infektion im eigenen Umfeld hätte ihre Einstellung eventuell geändert.

Ein generelle Sorglosigkeit beim Einhalten von Vorschriften kann den Mitarbeitenden nämlich nicht unterstellt werden, schließlich herrschen die Kassiererinnen regelmäßig die Kinder und Jugendlichen aus der Schule gegenüber an, wenn die sich in der großen Pause ein Brötchen holen wollen: Da wird penibel darauf geachtet, dass auch alle einzeln einen Einkaufskorb nehmen. Die Sorge vor dem Diebstahl einer Backware, die unterstellte Bereitschaft zur Straftat, sticht die Angst vor einem Virus.