In Kuba bahnt sich die bedeutendste Wirtschaftsreform seit Jahren an. Der Ministerrat unter Staats- und Regierungschef Raúl Castro habe einen Zeitplan für die Abschaffung der Doppelwährung beschlossen, berichtete am Dienstag die Parteizeitung Granma. Die neuen Regeln sollen zuerst für Unternehmen, später dann auch für die Bürger gelten. Konkrete Fristen wurden zunächst nicht genannt.

Die zwei Währungen, die nun zu einer einzigen zusammengeführt werden sollen, bestehen bislang nebeneinander: der kubanische Peso – abgekürzt CUP – als Binnenwährung sowie der konvertierbare, an den Dollar gekoppelte CUC. Letzterer war 1994 eingeführt worden war, nachdem die Regierung inmitten der existenzbedrohenden Wirtschaftskrise nach dem Verlust der osteuropäischen Verbündeten das Verbot des Devisenbesitzes aufgehoben hatte.

Mit CUP bezahlen die Kubaner vor allem die vom Staat stark subventionierten Lebensmittel, die etwa die Hälfte des Grundbedarfs einer Familie decken, ferner Einkäufe auf den privaten Bauernmärkten sowie Miete, Telefongebühren, Busfahrten und ähnliches. Für fast alles andere – bessere Kleidung, Schuhe, Hygieneartikel, Speiseöl, Handy-Gebühren und die meisten Industriewaren – müssen sie hingegen mit CUC bezahlen.

Anders als seinerzeit die DDR-Bürger

Ein regelmäßiges Einkommen in CUC bezieht bisher nur eine kleine Minderheit: Beschäftigte im Tourismussektor zum Beispiel oder Angestellte ausländischer Firmen. Hinzu kommen Zehntausende Kubaner, die als Ärzte, Trainer oder Techniker im Ausland arbeiten und Teile ihres Gehalts in Devisen beziehen. Zudem erhält ein erheblicher Teil der Bevölkerung – möglicherweise jede dritte Familie – Überweisungen von Angehörigen im Ausland, vor allem in den USA, und kann dieses Geld in CUC umtauschen.

Alle anderen – unter ihnen viele Rentner und deutlich mehr schwarze als weiße Kubaner – sind allein auf ihr Einkommen in CUP angewiesen. Sie können dieses Geld zwar in den staatlichen Wechselstellen in CUC umtauschen, anders als seinerzeit die DDR-Bürger, die keine (legale) Möglichkeit hatten, ihre eigene Währung in Forum-Schecks für die Intershops zu wechseln. Doch bei einem Kurs von 24:1 im Verkauf und 25:1 im Ankauf entspricht ein übliches Monatsgehalt von 400 CUP nicht einmal 20 Dollar.

Kubaner ohne regelmäßigen Zugang zu Dollar oder CUC erleben dies als schwer erträgliche Diskriminierung. Die Einführung einer einzigen Währung steht deshalb seit langem ganz oben auf der Liste der Forderungen, die die Bürger an ihre Regierung stellen. Präsident Castro will dem nun Genüge tun, und zwar „ohne eine Schocktherapie“, wie er versicherte. Wie sich ein Markt-adäquates Finanzsytem aber mit dem Anspruch einer Gesellschaft der sozialen Gleichheit verbinden lässt – an dieser Frage hatten sich Kubas Ökonomen bisher die Zähne ausgebissen.