Wirtschaft: "Was läuft da schief?" von Christian Lipicki (7. April):Die Berichte über die Aktionärsversammlung des DaimlerChrysler- Konzerns konzentrierten sich auf die Misswirtschaft, auf die Probleme mit dem Smart, die Rückrufaktionen und den Wertverlust der Aktie. Es gab aber auch Aktionäre, die wegen der Beteiligung von Daimler an der Rüstungsproduktion protestierten. Sie verlangten in Berlin: "Entrüstet Daimler!"Während der Hitler-Zeit war die Daimler-Benz-AG einer der größten Rüstungsproduzenten Deutschlands. Diese Firma half mit, den Krieg technisch möglich zu machen. Schon 1937 betrug der Rüstungsanteil 50 Prozent. 1944 produzierte Daimler zu 95 Prozent für die Rüstung. 50 Prozent aller Beschäftigten waren Zwangsarbeiter, 46 000 Menschen. Diese Arbeitssklaven wurden vor allem aus Russland nach Deutschland verschleppt oder von der SS aus Konzentrationslagern geholt. Sie arbeiteten unter den erbärmlichsten Bedingungen. Viele starben. Bei den geringsten Vergehen wurden sie erschossen. Nach dem Krieg wurden die überlebenden Zwangsarbeiter nicht entschädigt. Erst 1968 wurde von Daimler das Leid, eher symbolisch, mit einer relativ geringen Summe abgegolten.Nach dem Krieg gelang Daimler-Benz der Wiedereinstieg ins Rüstungsgeschäft. (" ... und morgen die ganze Welt, Daimler-Benz - ein Rüstungskonzern auf dem Weg ins 21. Jahrhundert" von Sebastian Bamberg, Pax Christi). Heute ist der Konzern Hauptaktionär von EADS (European Aeronautic Defence and Space Company).DaimlerChrysler ist über die EADS sogar an der Entwicklung neuer Atomwaffenträger beteiligt. Das französische Verteidigungsministerium bestellte im Rahmen des M 51-Programms Ende 2004 bei der EADS neue Trägerraketen für Atomsprengköpfe im Wert von drei Milliarden Euro. Die M 51 löst ab 2010 das Vorgängermodell M 45 ab und wird auf vier französischen Atomwaffen-U-Booten stationiert. DaimlerChrysler ist auch an der Minenproduktion und an der Entwicklung und Produktion von Streumunition, von Clusterbomben, beteiligt. Die Mehrheit der Aktionäre stört die Rüstungsproduktion von DaimlerChrysler nicht. Sie werden nicht für die Entrüstung von DaimlerChrysler eintreten.Heinrich Frei, Zürich