BERLIN, 15. Juli. Deutsche Topmanager verursachen nach Informationen der Berliner Zeitung durch Fehlentscheidungen und Missmanagement pro Jahr Schäden in dreistelliger Millionenhöhe. Aufkommen müssen sie dafür allerdings nicht selbst, weil ihre Firmen spezielle Missmanagement-Versicherungen abgeschlossen haben.Nach Schätzungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mussten die Anbieter solcher Missmanagement-Policen allein im Jahr 2003 Vermögensschäden von 600 Millionen Euro begleichen, für die Führungskräfte deutscher Unternehmen verantwortlich sind. Weiter teilte GDV-Sprecherin Katrin Rüter de Escobar auf Anfrage mit, das Geschäft habe sich "unerfreulich" entwickelt, weil die Versicherer im selben Zeitraum lediglich Prämieneinnahmen von etwa 300 Millionen Euro erzielt hätten.Wie die Berliner Zeitung weiter erfuhr, verhandelt die Assekuranz derzeit über einen besonders spektakulären Schadensfall, den der Vorstandschef des Autokonzerns DaimlerChrysler, Jürgen Schrempp, verursacht hat. Dabei geht es um einen Vergleich, den DaimlerChrysler 2003 mit Aktionären in den USA geschlossen hat: Die Aktionäre hatten geklagt, weil sie sich von Schrempp bei der Übernahme von Chrysler getäuscht sahen - Schrempp hatte zunächst von einer Fusion unter Gleichen, später aber von einer Übernahme Chryslers gesprochen.Schrempp "einmaliger Fall"Nach Informationen der Berliner Zeitung rechnet die Assekuranz nun mit einem Versicherungsschaden von 300 Millionen Dollar oder umgerechnet 243 Millionen Euro, der von einem Konsortium getragen wird. Die Verhandlungen darüber stünden kurz vor dem Abschluss. Der Fall Schrempp, so ein Insider, sei für deutsche Verhältnisse ein "von der Höhe einmaliger Fall". Zum Vergleich: Das DaimlerChrysler-Management fordert derzeit von seiner Belegschaft in Sindelfingen Einsparungen von 500 Millionen Euro und droht damit, andernfalls die Produktion der C-Klasse nach Bremen oder Südafrika zu verlagern. Am Donnerstag kam es deswegen bundesweit zu Protesten der Belegschaft.Wie inzwischen viele deutsche Konzerne hat auch DaimlerChrysler für sein Topmanagement so genannte Directors-and-Officers-Versicherungen (D&O) abgeschlossen. Das bestätigte Konzernsprecher Thomas Fröhlich. Nähere Angaben wollte er nicht machen. Dieser Versicherungstyp stammt aus den USA. Er soll Führungskräfte, insbesondere Vorstände und Aufsichtsräte, gegen die finanziellen Folgen eigener Fehlentscheidungen und eigenen Missmanagements absichern. Dem Vernehmen nach haben heute alle im Aktienindex Dax gelisteten Konzerne, aber auch viele weitere Unternehmen ihr Topmanagement mit solchem Versicherungsschutz ausgestattet.Die wichtigsten Anbieter von D&O-Versicherungen sind hier zu Lande die US-Unternehmen AIG, Chubb und Ace sowie die Schweizer Zürich Versicherung und die Münchner Allianz. Üblich sei dabei, dass die Prämien nicht von den Managern selbst, sondern aus Firmenvermögen bezahlt würden. Damit, so hieß es aus den Kreisen weiter, müssten viele Spitzenkräfte nicht persönlich für finanzielle Folgen eigener Fehlentscheidungen haften. Lediglich in Fällen, in denen den Managern Vorsatz nachgewiesen werde, sei die D&O-Haftung ausgeschlossen.