In Kopenhagen wird eine künstliche Skipiste geplant -auf dem Dach eines Müllheizkraftwerks. Für den Zukunftsforscher Andreas Reiter ist das ein gutes Beispiel für eine "Liveable City". Wir sprachen mit ihm über das Konzept und die Chancen für Städte -und den Städtetourismus.+++Herr Reiter, Sie sagen, die Stadt habe als Eventbühne ausgedient. Haben große Festivals ihren Reiz verloren?Sie sind im internationalen Wettbewerb der Städte um Besucher einfach nicht mehr so relevant. Vor zehn Jahren war das Motto im Städtetourismus noch "höher, schneller, weiter"; es zählten Sehenswürdigkeiten wie etwa Wolkenkratzer in Dubai, Mega-Events wie Sportveranstaltungen oder die Love Parade, sie waren das Leitthema. Das änderte sich schon vor fünf, sechs Jahren, da stand plötzlich die "Creative City", also die Kreativ-Kultur, im Vordergrund. Mit einem Schlag fand auch Privates im öffentlichen Raum statt. Aber in Zukunft wird das allein nicht mehr ausreichen, um Besucher anzulocken.Stattdessen empfehlen Sie Städteplanern und Marketingexperten jetzt, auf die "Liveable City" zu setzen. Was verstehen Sie unter dem Begriff?Die Kreativität als Standortvorteil hat noch lange nicht ausgedient, aber inzwischen dreht sich alles um den "Green Lifestyle". Es geht um authentische lokale Gemeinschaften, in denen die Menschen ökologisch korrekt leben. In den kommenden Jahren werden immer mehr Projekte entstehen, die das unterstützen.Gehört die geplante künstliche Skipiste in Kopenhagen dazu?Ja, das ist ein perfektes Beispiel, denn hier soll bis 2016 eine Skipiste auf dem Dach eines neuartigen, ökologischen Müllheizkraftwerks entstehen -das ist nachhaltig und verbessert die Lebensqualität von Einheimischen und Besuchern. Oder der High Line Park in New York: Hier wurde eine alte Bahntrasse in einen öffentlichen Park verwandelt, in dem die Menschen über den Dächern des Meatpacking Districts mit Blick auf den Hudson River flanieren können. Das ist keine bloße Touristenattraktion, sondern in erster Linie für die Menschen gedacht, die in New York tatsächlich leben.Um die Touristen glücklich zu machen, muss man in Zukunft also erst die Einheimischen zufriedenstellen?Genau darum geht es bei der "Liveable City": Der Fokus liegt nicht mehr nur auf den Touristen. Stattdessen soll zunächst die Lebensqualität der Einheimischen nachhaltig verbessert werden -glückliche "Locals" ziehen dann wiederum mehr Besucher in die Stadt. Früher ging es um die Inszenierung der Metropole, etwa durch Superlative wie den höchsten Aussichtsturm, heute geht es darum, nicht mehr so glatt und austauschbar zu sein, sondern authentisch. Das liegt daran, dass ein Wertewandel in der Gesellschaft stattgefunden hat: Lebensqualität wird heute einfach anders definiert. Jetzt geht es um Entschleunigung, man wünscht sich viele Grünflächen in der Stadt, quasi mehr Spielplätze für Erwachsene. Darin sehe ich für viele Städte eine neue Chance im Tourismus. Kultur war und ist noch immer der Magnet im Städtetourismus, doch dem urbanen Städtetouristen geht es heute immer mehr um Alltagskultur, um das "Live-like-a-local"-Gefühl.Grün nennen sich inzwischen aber viele, könnte sich nicht auch Dubai zur Öko-Stadt erklären?Es ist richtig, dass der Begriff "Green Lifestyle" die Gefahr des "Greenwashings" birgt. Aber ich denke, da sind die Konsumenten sehr wachsam und merken sofort, wenn etwas nicht glaubwürdig ist. Deshalb müssen die Stadt und ihre Bewohner auch dieses Konzept widerspiegeln und leben. In Kopenhagen ist das glaubwürdig, schließlich fährt auch jeder Zweite hier mit dem Fahrrad. Aber Dubai müsste schon völlig abgerissen werden, um zur "Green City" zu werden. Andererseits geht es im Nachbar-Emirat Abu Dhabi schon ganz anders zu, hier wird gerade die Öko-Stadt Masdar-City gebaut, das ist durchaus authentisch. Es können also auch Städte, von denen man es nicht erwartet, plötzlich grün werden. Interview: Johanna Rüdiger------------------------------ZUR PERSONDer Experte Andreas Reiter ist Forscher beim Wiener Zukunftsbüro ZTB.www.ztb-zukunft.comAuf der ITBReiter spricht auf der ITB zum Thema "Liveable Cities. Nachhaltige Lebensqualität als Erfolgsfaktor für die Positionierung von Städten". Die ITB findet vom 9. bis 13. März statt, Tageskarte ab acht Euro. www.itb-berlin.de------------------------------Foto: Skifahren im Bikini in Kopenhagens Innenstadt -das soll dank künstlicher Skipiste ab 2016 möglich sein.