BERLIN, im April. Eher zurückhaltend äußerte sich Daniel Biasini kurz nach dem Tod seiner Ex-Frau Romy Schneider im Mai 1982 über die gemeinsame Zeit mit der Filmschauspielerin. "Meine Begegnung mit Romy geht nur sie und mich etwas an. Es ist eine persönliche Erinnerung, die ich niemandem ausliefern möchte. Was unser gemeinsames Leben betrifft, so ist es das gleiche wie das aller Ehepaare gewesen, die Kinder haben mit Freuden, Tränen und Lachen." Menschen ändern sich, Meinungen auch. Am Donnerstag erscheint Biasinis Buch "Meine Romy" (Verlag Langen Müller). Seine persönlichen Erinnerungen werden öffentlich ausgeliefert. "Es wird höchste Zeit, daß endlich einmal die Wahrheit über Romy geschrieben wird", schreibt Biasini.Wie also war Romy Schneider wirklich? In den vergangenen 16 Jahren, meint ihr einstiger Privatsekretär, sei ein "völlig verzerrtes Bild" von der Diva entworfen worden, "eines, in dem sie als Zentralfigur einer griechischen Tragödie steht, die zeit ihres Lebens an der schweren Last ihres Schicksals zu tragen und ihren Tod förmlich herbeigesehnt hat. Das ist kompletter Unsinn." Und ein schöner Anlaß für ein 270 Seiten langes Dementi, das in seiner Naivität fast rührend ist.Voller LebenslustAlles war anders. Biasini war nicht der "dunkle Bösewicht" und Romy Schneider nicht die Alkoholikerin, Nymphomanin und Neurotikerin, wie viele glauben. Ein ganzes Leben voller Melancholie, Schmerz und Enttäuschung? Weit gefehlt. Sie war in seinen Augen eine Frau "mit vielen faszinierenden Gesichtern. Voll wilder und intensiver Lebenslust, sensibel und ausdrucksstark. Und erst dann, in den letzten fünfzehn oder zwanzig Monaten ihres Lebens, als das Schicksal wirklich auf sie einprügelte, verzweifelt und selbstzerstörerisch."Daniel Biasini begegnete der Schauspielerin erstmalig im September 1972. Er wurde in Paris ihr "Mädchen für alles", kümmerte sich auch um den Sohn David aus ihrer ersten Ehe mit Harry Meyen. Und durfte aus nächster Nähe zuschauen: "Als ich Romy damals zum ersten Mal traf, konnte ich ihre Verwandlung förmlich von Tag zu Tag beobachten. Kein Wunder, sie hatte ihren Sohn, sie hatte ihre Kunst und ihre Leidenschaft. Sie konnte endlich sie selbst sein. Ein Zustand, der sie immer schöner, immer strahlender werden ließ." Er, der elf Jahre Jüngere, wurde zu einem Vertrauten der Kleinfamilie. Romy Schneider begegnete ihm dabei öfter auf "dicken Wollsocken als auf Bleistiftabsätzen, öfter in ihrem ziegelfarbenen, bequemen Kaftan als in einem Chanel-Kostüm". Zwei Jahre später haben die beiden sich erstmals geküßt, im Jahr darauf, 1975, geheiratet.Liebhaber des exzessiven Klatsches kommen bei der Lektüre dieses Buchs, das von Marco Schenz, dem früheren "Gala"-Chefredakteur, aufgezeichnet wurde, auf ihre Kosten. Bis hin zu diversen Autokennzeichen kann der Fan bereichernde Einzelheiten erfahren. Ob Alkoholkonsum ("nur Bordeaux und Champagner"), Kochkunst (empfehlenswerter Kartoffelsalat), Kleiderschrankgröße (kleiner als behauptet) oder Affären (etliche), Daniel Biasini ist ein besessener Chronist. Er ist der Privatsekretär "seiner Romy" geblieben.Horst Buchholz, Alain Delon, Harry Meyen, Jean-Louis Trintignant, Jacques Dutronc, Bruno Ganz oder Laurent Pétin sie alle, Liebhaber und Lebensgefährten, werden gewürdigt. Und nicht nur sie: Klargestellt wird vorsichtshalber auch, mit wem der Star nichts hatte, mit Herbert von Karajan zum Beispiel oder Curd Jürgens. Von Simone Signoret war Romy Schneider "in Wahrheit nur künstlerisch fasziniert". Wenn schon die Wahrheit, dann ausführlich, hat Biasini wohl gedacht.Und bisweilen kommt bei der Wahrheitssuche die Arbeit der höchst disziplinierten Künstlerin zur Sprache, die in ihrem kurzen Leben 58 Filme drehte. Biasini erzählt von den Anstrengungen und den Ängsten des Stars, er erzählt von den wirklich wichtigen Begegnungen, mit Jean-Claude Brialy und Michel Piccoli etwa, mit Claude Sautet und Luchino Visconti.Romy Schneider starb, wenige Monate nach dem Unfalltod ihres Sohnes David, 43jährig an Herzversagen. Die gemeinsame Tochter Sarah, die inzwischen 20 Jahre alt ist, und ein Ring sind Biasini, schreibt er, von ihr geblieben. Hinterlassen hat seine Ex-Frau ihm auch Millionen Steuerschulden, die ihn nach eigener Aussage dazu zwingen, "ein Leben an der Peripherie der menschlichen Gesellschaft zu führen". Die Peripherie der Gesellschaft befindet sich derzeit auf Ibiza. Dort lebt Biasini als Immobilienmakler. Momentan verkauft er aber Erinnerungen, im Namen der Wahrheit. Vielleicht schrumpft der Schuldenberg ein wenig.