Von der Seligkeit der geistig Armen wusste schon die Bibel zu berichten, doch dauerte es seine Zeit, bis die Kunde auf künstlerisch fruchtbaren Boden fiel. Als der erste Hanswurst dann auf eine Bananenschale trat und ausglitt, ging die Saat endlich auf und Gelächter war fortan die Ernte. Mag er nun Dick oder Doof, Dumm oder Dümmer heißen, der geheiligte Kausalsatz vom Trottel, der notwendig auf den Hosenboden plumpst und dabei mehr Leben als eine Katze hat, behält Gültigkeit durch Generationen der intellektuellen Minderbemit-teltheit hindurch. Irgendwer muss uns schließlich mit seiner Unbedarftheit von jenem Erklärungsnotstand befreien, den eine stetig komplizierter werdende Gesellschaft nun einmal mit sich bringt. Erschütternd banal und zum Neidischwerden überschaubar ist die Welt des Derek Zoolander (Ben Stiller) in der Tat. Das erfolgverwöhnte Model hat in seinem Leben drei "Blicke" kreiert, die sich unglücklicherweise zum Verwechseln ähnlich sehen, und auch sonst keine Gelegenheit verpasst, unsere Konsumgesellschaft zu beschämen. Die Dreifaltigkeit von Bulimie, Verfügbarkeit und gutem Aussehen schwebt über seinem Penthouse-Loft, und immer wenn Derek etwas Kluges sagt, macht er dazu ein besonders dämliches Gesicht. Damit wäre eigentlich genug komisches Unheil angerichtet, doch weil Zoolander schon von Berufs wegen alles tut, was man ihm sagt, wird er von einer schurkischen Verschwörermeute gehirngewaschen und als Killermarionette auf einen noblen Politiker gehetzt. Zoolander ist sozusagen der lebende Beweis dafür, dass die Modewelt außen bunt und innen hohl ist, nur gibt es in diesem nach seiner Hauptfigur benannten Film niemanden, der laut "Des Kaisers neue Kleider" ruft. Seine Geburt erlebte der geschniegelte Witz auf Beinen sinnigerweise bei einer Modepreisverleihung des Lifestyle-Senders VH-1, und zwar in der Gestalt des begnadeten Komikers Ben Stiller. Was damals als satirischer Pausenfüller ersonnen war, ist nun in knapper Spielfilmlänge zu bewundern, so wie schon diverse andere Stand-up-Comedians ihr Alter Ego nach Hollywood getragen haben. "Zoolander" unterscheidet sich im Stadium des galoppierenden Schwachsinns deshalb auch nicht wesentlich von "A Night at the Roxbury s", "The Waterboy" oder vergleichbar fortgeschrittener Film-Demenz. Die Handlung ist als loser Umhang um eine Parzival-Figur geworfen, ein Reinfall jagt den nächsten, und irgendwann hört man auf, sich zu wundern, wie so viel Schwachsinn in einen einzigen Menschen passen kann. Entweder stellt man dann mit klammheimlichen Vergnügen fest, dass man albern genug ist, über "Zoolander" zu lachen oder lässt es eben bleiben. Fünf Jahre nach "The Cable Guy" hat Ben Stiller bei "Zoolander" wieder Regie geführt und fühlt sich in seiner Doppelrolle vor und hinter der Kamera ganz offensichtlich wohl. Wie in "Meet the Parents" hat er mit Owen C. Wilson (als Grunge-Schönling "Hansel") ein kongeniales Gegenüber und setzt mit Derek Zoolander die lange Reihe seiner auf tragisch-komische Weise um Anerkennung ringenden Charaktere fort. Der depperte Beau ist geradezu rührend, wenn er sich inmitten der zynischen Modeindustrie in eingebildeten Selbstzweifeln verliert. Der große Komödienwurf, der Stiller durchaus zuzutrauen wäre, ist "Zoolander" dabei aber nicht geworden - er war wohl auch gar nicht geplant. Das Ganze ist ungezügelter Klamauk und sein Regisseur für dieses Mal damit zufrieden. Zoolander USA 2001. Regie: Ben Stiller. Darsteller: Ben Stiller, Owen C. Wilson, Will Ferrell, Christine Taylor. 89 Minuten, Farbe.

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