Hätte jemand Peter Ehrenberg erzählt, dass es eines Tages Protest geben würde gegen den Namen seiner Kleingartenanlage - Ehrenberg hätte wohl verständnislos den Kopf geschüttelt. Nun steht der Weddinger Kleingärtner an der Müllerstraße und schaut in das Gesicht eines energisch gestikulierenden dunkelhäutigen Mannes. "Togo ist seit 40 Jahren unabhängig", sagt dieser gerade. "Warum heißen Sie Dauerkolonie Togo?" Ehrenberg schüttelt den Kopf: "Kolonie hat mit Kolonialismus doch nichts zu tun." Es ist Sonnabend, zwölf Uhr Mittags und der Wind bläst tief hängende Wolken über den Wedding. Am Eingang zum U-Bahnhof Rehberge wird eine Diskussion über die Kleingartenanlage Togo geführt, die man wohl nur absurd nennen kann. Die Anlage heißt ganz offiziell "Dauerkolonie Togo" - und genau deshalb stehen nun 50 Leute dort und protestieren. Die Mehrheit sind Flüchtlinge, die aus Togo stammen. "Das ganze Viertel hier trägt koloniale Züge", sagt eine hellhäutige Frau. In gewisser Weise hat sie Recht: Das afrikanische Viertel, in dem die Kolonie liegt, bekam seinen Namen Ende des 19. Jahrhunderts - als Deutschland in Afrika Kolonien besaß. Eine Togostraße entstand, eine Transvaalstraße, eine Sansibar- und eine Ghanastraße. Die Kleingartenanlage wurde jedoch erst ein paar Jahre später gegründet - zunächst unter dem Namen "Zur fröhlichen Rehberge". Später bekam sie den Status "Dauerkolonie" und wurde 1939 nach der angrenzenden Togostraße umbenannt. Genau das versucht Peter Ehrenberg den Protestierenden an der Müllerstraße zum wiederholten Male klar zu machen. "Sie müssen unsere Begriffe verstehen", bittet der untersetzte Mann, "das Wort Dauerkolonie ist eine Frage des Baurechts. Wir sind völlig unpolitisch." Dann referiert er ein bisschen über die Urbar-Machung von Land und das Baurecht. Doch die Demonstranten wollen nicht über deutsches Baurecht reden, sondern über deutsches Unrecht. Darüber, dass die Behörden Flüchtlinge nach Togo abgeschieben wollen, wo ihnen nach dem Leben getrachtet wird. Und darüber, dass der Name "Dauerkolonie Togo" eigentlich eine Zumutung ist. "Wir fordern die Umbenennung der Kleingartenanlage", sagt jemand in ein Mikrofon. 20 Minuten später umrundet der kleine Demonstrationszug die Kleingartenanlage, ein paar Lieder erschallen und eine Frau erinnert an die deutsche Kolonialpolitik. In die Dauerkolonie Togo setzen sie keinen Fuß. "Das wollten wir nicht", sagt eine Demonstrantin. Hätten sie die Anlage betreten, wären sie vielleicht dort gelandet, wo Gerhard Schröder im Jahr 2000 saß, als er mit dem höchsten Preis der Berliner Kleingärtner ausgezeichnet wurde. Damals, als der Name Dauerkolonie nur mit Kleingärtnern zu tun hatte und nicht mit der deutschen Kolonialzeit. Der Kanzler fand die Anlage Togo sogar so unverfänglich, dass er in Peter Ehrenbergs Parzelle einen Apfelbaum pflanzte. Der wächst und gedeiht - und Ehrenberg hat kürzlich zwei Äpfel an den Kanzler geschickt.------------------------------Unabhängig seit 1960 // Karte: Lage: Togo liegt an der Westküste Afrikas, die Nachbarländer sind Ghana, Burkina Faso und Benin.Größe und Einwohner: Mit einer Fläche von 56 000 Quadratkilometern ist Togo rund halb so groß wie die frühere DDR. Hier leben rund fünf Millionen Menschen in mehr als 40 verschiedenen ethnischen Gruppen.Eroberer und Kolonialisten: Im 15. Jahrhundert wurde die Küste Togos von Portugiesen entdeckt, im 17. und 18. Jahrhundert errichteten französische Kaufleute erste Niederlassungen, gaben sie jedoch wieder auf. 1884 wurde Togo "deutsches Schutzgebiet", ab 1904 offiziell deutsche Kolonie. 1914 eroberten jedoch französische Truppen das Land. Unabhängigkeit: Seit 1960 ist Togo unabhängig. In der Vergangenheit geriet der Staat wegen schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen immer wieder in die Kritik.------------------------------Foto: Als der Kanzler im Jahr 2000 zu Besuch war, war die Welt noch in Ordnung. Am Sonnabend wurde über den Namen der Dauerkolonie Togo gestritten.