Zu teuer, zu laut, zu wenig Parkplätze, zu schlechte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr: Das Aus für das Freibad Wernersee in Mahlsdorf ist besiegelt. Nachdem das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf Möglichkeiten für eine Wiedereröffnung des 2002 von den Berliner Bäderbetrieben (BBB) geschlossenen Freibades geprüft hat, steht nach einer gestern vorgestellten Expertise fest: Für den Badebetrieb ist es nicht mehr geeignet.Nachdem sich acht Jahre lang auf dem Grundstück nichts getan hat, sei nicht mehr von Bestandsschutz auszugehen, sagte gestern Marzahn-Hellersdorfs Bürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke). "Es müsste ein neues Bebauungsplanverfahren eingeleitet werden - auf der Grundlage jetzt geltender Gesetze." Denn was zu DDR-Zeiten Usus war und später wegen des Bestandsschutzes geduldet wurde, muss nun keiner mehr tolerieren. Nur geringer Abstand zur Wohnbebauung (Lärm!), die zugewucherten Flächen in und um den See (Naturschutz!), zu kleine Straßen für einen Ansturm von Tausenden Badegästen (Verkehrschaos!) seien nur einige der zu erwartenden Probleme. Zudem müsste sich ein Investor finden, der das marode Schwimmbecken saniert.Mit etwa 600 000 Euro hatten die Bäderbetriebe seinerzeit den Sanierungsbedarf angegeben. Doch Interessenten bekamen das Geld nicht zusammen. Matthias Oloew, BBB-Sprecher: "Nach heutigen Gesichtspunkten ist das Bad nicht mehr betriebsfähig." Denn es gibt zwar eine Beckenumrandung, aber nur einen Natur-Sandboden. Gespeist wird das Bad durch Grundwasser. Aus hygienischer Sicht müsste ein Becken-Freibad mit einer Wasseraufbereitungsanlage entstehen. Doch das würde die Sanierung teuer machen, rund zehn Millionen Euro wären erforderlich. Geld, das niemand zahlen will.Auch der 2008 gegründete Förderverein "Freunde des Wernerbades" kann da nicht helfen. Der hat derzeit zwölf Mitglieder - Parteimitglieder von Linken, CDU und SPD, darunter zwei Abgeordnete. Vereinsziel war, das Freibad wieder nutzbar zu machen. Der Verein hat eine Kooperationsvereinbarung mit den Bäderbetrieben abgeschlossen, um ein Konzept für das Wernerbad zu erarbeiten. "Jetzt ist klar, dass es keine Badenutzung mehr geben wird", sagt Vereinschef Michael Geiger. "Aber nun kann dort etwas Neues entstehen." Der Abgeordnete Mario Czaja (CDU) wünscht sich weiterhin wenigstens teilweise eine Freizeitnutzung, seine Linken-Kollegin Gabriele Hiller denkt an eine Kinder-Plansche. Der Verein will Ideen für das Areal sammeln und sie den Bäderbetrieben unterbreiten.Denn diese werden vermutlich das knapp 5 000 Quadratmeter große Areal verkaufen. Wie das Grundstück dann genutzt wird, hat jedoch auch das Bezirksparlament mitzuentscheiden. Denn dieses muss den künftigen Bebauungsplan beschließen. "Ein Aldi-Markt wird hier sicherlich nicht entstehen", baut Bäder-Sprecher Oloew schon mal Befürchtungen vor.------------------------------1905 eröffnetDas Freibad Wernersee war ursprünglich ein natürliches Gewässer, ein sogenanntes Toteisloch. 1901 wurde dort die Gaststätte Badeschlösschen eröffnet, vier Jahre später das Bad. Damit ist es das älteste Freibad Berlins.Marzahn-Hellersdorf hat seit der Schließung 2002 kein Freibad mehr. Über eine Anlage am Elsensee, die ein privater Investor errichten will, wird seit zehn Jahren gestritten.