MITTE. Wohnen an kleinen Grachten, Flanieren unter großen Bäumen auf der Uferpromenade der Spree. So stellen sich die Planer des Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner (gmp) den neuen Spreeport am ehemaligen Holzufer vor. Ihr Entwurf für das zehn Hektar große Gelände zwischen Michaelbrücke und Schillingbrücke wurde vom Bezirk und den Investoren aus acht Konzepten ausgewählt. "Mit zwei Kanälen verlängern wir die Spree auf das Gelände", sagt Architekt Stephan Rewolle. Etwa acht Meter breit werden die Grachten sein, die einen Hauch von Amsterdam nach Berlin bringen sollen. Allerdings: Boote werden dort nicht fahren. Mit den Kanälen wollen die Architekten den Innenbereich des Geländes attraktiver machen, um auch dort lukrative Adressen für das Wohnen und Arbeiten am Wasser entstehen zu lassen. So sind an einem Kanal zum Beispiel sechsgeschossige Stadtvillen vorgesehen, so genannte Grachtenhäuser. Baustadträtin Dorothee Dubrau (Grüne) ist mit dem Konzept zufrieden. "Für das einstige Industriegelände gab es nach dem Mauerfall großstädtische Visionen mit Hafen", sagt sie. Aus dieser Zeit stammt auch der Name Spreeport. Doch die Euphorie der Wendejahre war schnell vorbei. Mitte der 90er-Jahre schlossen sich Architekten zusammen, kauften und sanierten ein altes Fabrikgebäude und eröffneten dort das Deutsche Architektur Zentrum. Doch auch das brachte nicht den erhofften Aufschwung. Erst mit dem Bau der Verdi-Bundeszentrale an der Schillingbrücke kommt wieder Leben in das Quartier an der Spree, auf dem sich im 19. Jahrhundert Holzlagerstätten und -märkte sowie Kalkscheunen befanden. Bis zum Jahr 2010 sollen 500 Wohnungen und rund 150 000 Quadratmeter Büro- und Gewerbeflächen entstehen. Großinvestoren sind das Unternehmen Hochtief und die Kilian Projektmanagement. "Wir wollen für Unternehmen und Verbände, die aus Bonn oder Brüssel nach Berlin kommen, eine preiswerte Alternative zum Potsdamer Platz anbieten", sagt Projektmanager Jürgen Kilian. Die Rede ist von Büromieten unter 15 Euro pro Quadratmeter.BERLINER ZEITUNG/LUKAS PUSCH Der Spreeport in Mitte: Bis Juli 2004 entsteht dort auch die Verdi-Zentrale.GERKAN, MARG UND PARTNER Die Spreeuferpromenade in der Simulation. Der alte Backsteinbau der ehemaligen Eisfabrik soll restauriert werden.