Das beliebte Motto "Gäste gestalten das Musikprogramm" gewann am Freitag im Hamburger Bahnhof ganz neue Bedeutung: Sechs Kompositionen von ebenso vielen Stipendiaten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes wurden gespielt, und die Ausführenden, das Arditti String Quartet, sind dem DAAD gleichfalls über knapp zwei Jahrzehnte verbunden. Natürlich, wie hätte man die 35 Jahre Berliner Künstlerprogramm des DAAD, sofern es den musikalischen Teil betraf, auch anders begehen sollen denn als Demonstration der Weltläufigkeit im oft so provinziellen Berlin: "Hört her, aus aller Herren Länder kommen die Musiker zu uns!" Aber das Demonstrative erstreckte sich auch auf die Quantität, und daran krankte der Abend: Nicht weniger als sechs Kompositionen standen auf dem Programm, da wurde das einzelne Werk mehr nach seinem Umfang als seiner Bedeutung ausgewählt, die gewichtigen Werke für Streichquartett von ehemaligen Gästen wie Luigi Nono oder Georg Friedrich Haas passten nicht in diesen Rahmen.Auf große Namen wollte man dennoch nicht verzichten; doch LaMonte Youngs "Five Small Pieces" (1956) sind wenig mehr als mildes Webern-Epigonentum, und John Cages spätes "Music for Four" (1987) ist ein herzlich langweiliges Stück. Oder klang das nur so, weil das hoch geschätzte und enorm fleißige Arditti Quartet eben doch in eine Routine der umstandslosen, professionellen Umsetzung des Notentexts geraten ist, die dort, wo leise, lange Töne mit Intensität, Geheimnis, Andeutungen zu füllen wären, eben nichts anderes spielt als leise, lange Töne? James Tenneys belangloses Kanonstück "Harmonium, 5. String Trio" (1978) könnte als Beleg für diese These gelten, auch Brian Ferneyhoughs "Third String Quartet" (1987), in das wie stets bei diesem Komponisten gewaltig viele Noten gepackt sind, huschte aufgeregt belanglos vorbei. Und so scheint es doch die kompositorische Qualität gewesen zu sein, die einzig zwei Stücke von Komponistinnen zu brauchbaren Erfahrungen machte: Olga Neuwirths "Akroate Hadal" (1995), eine Comicstrip-artige Verkettung bizarrer Effekte zwischen Geste und Geräusch, vor allem aber "Minyo" (1997) der derzeitigen DAAD-Stipendiatin Kotoka Suzuki, bruchlos und virtuos Momente traditioneller japanischer Musik in den Internationalen Stil der Gegenwartsmusik integrierend. Beide Stücke hatten etwas, was dem Rest des Abends in beklagenswerter Weise abging: Spannung - und Humor.