BERLIN. Schuhe kann man nie genug haben, Schuhe machen Leute, Schuhe kennen kein Figurproblem und mit Schuhen wurde Zalando zu einem der erfolgreichsten deutschen Internetunternehmen. Vermutlich. Denn über Umsatzzahlen, Absatzentwicklung und Gewinn schweigt das Berliner Onlineportal. Die Geschäftsführer und Gründer Robert Gentz und David Schneider, beide Ende 20, reden am liebsten gar nicht mit der Presse.Kommunikationschef Michael Kuhls sagt oft, dass sie zu diesem oder jenem nichts sagen. Er verrät nur so viel: Mehrere Hunderttausend klicken zalando.de jeden Tag an, um gezielt nach einem bestimmten Schuhmodell zu suchen oder um nach Trends zu stöbern. "Angebot und Zahl der Kunden wachsen stetig", sagt Kuhls. Der Bekanntheitsgrad des 2008 gegründeten Unternehmens tut es auch.Einer Online-Umfrage zufolge liegt die Markenbekanntheit bei 50 Prozent; gestützt, das heißt, wenn eine Liste mit Antworten vorgelegt wird, sogar bei 85 Prozent. Und laut Meedia.de belegte Zalando mit 2,4 Millionen Unique Visitors im vergangenen Jahr Platz fünf der erfolgreichsten deutschen Onlineshops, gleich hinter Amazon, Otto, Neckermann und Tchibo. Zalando legte dabei am stärksten zu: um 2081,8 Prozent - kein Schreibfehler. In Branchenkreisen schätzt man den Umsatz auf gut 50 Millionen Euro. Zalando ist einer der aktivsten Internetwerber und gibt inzwischen Millionen für Fernsehspots aus.Mehr als 150 MitarbeiterAn einem weiteren Indiz lässt sich der Erfolg von Zalando ablesen: Mit gut einem Dutzend Mitarbeiter ging es vor drei Jahren los, in einer kleinen Wohnung irgendwo in Berlin. Mit einem Büro in der Zinnowitzer Straße im Stadtteil Mitte ging es weiter, vier Standorte kamen noch dazu und inzwischen arbeiten mehr als 150 Mitarbeiter für das Unternehmen. Die Mitarbeiter, im Schnitt um die 30, sind gerade dabei, in das alte Umspannwerk an der Kopenhagener/Sonnenburger Straße in Prenzlauer Berg zu ziehen, um auf 4000 Quadratmetern endlich mal alle unter einem Dach zu arbeiten.Alles dauert länger als geplant, das Gebäude ist noch nicht komplett fertig saniert. In den großen, hellen Büros stapeln sich Kartons, Keksdosen und Schuhe. Eine Wand ist voll mit den Modellen für die Frühjahrssaison. Riemchenpumps mit kleinen Rosen, schwarze Stiefel und nudefarbene Schnürschuhe stehen dort im Regal.Anhand der Modelle wird die Online-Trendschau zusammengestellt, jeder Schuh wird ausführlich beschrieben und von zig Seiten fotografiert. Vom Einkauf auf Messen über Stylingtipps, Produktinformationen, Shootings im eigenen Fotostudio über Marketing, Grafik, Vertrieb bis zur Personalabteilung und Buchhaltung - das Internetunternehmen legt Wert darauf, alles selbst zu erledigen. Deshalb sei auch die Eigenmotivation der Mitarbeiter "extremst hoch", sagt Kuhls. "Jeder kann eigene Ideen einbringen und sich selbst neue Aufgaben schaffen. Deshalb gibt es bei uns Fluktuation nur in eine Richtung." Nämlich rein ins Unternehmen.Die Gründer und Wirtschaftswissenschaftler Gentz und Schneider holten sich viele Studienkollegen und Freunde zu Zalando - und haben selbst den Anfang des Unternehmens Bekannten von der Universität Koblenz zu verdanken, mit denen sie sich im Jahr 2008 zusammentaten: den Samwer Brüdern. Marc, Oliver und Alexander Samwer, die Alando, die deutsche Version von Ebay, 1999 nur wenige Monate nach der Gründung für 50 Millionen Euro verkauft und danach mit dem Klingeltonanbieter Jamba Erfolg hatten, waren damals auf der Suche nach einer neuen Spielwiese für ihre Firma Rocket Internet, die junge Online-Unternehmen fordert. Gemeinsam mit Gentz und Schneider arbeiteten sie das Zalando-Konzept aus.Nicht mit virtuellen Dingen sollte gehandelt werden, sondern mit Handfestem. Nach dem US-Vorbild Zappos, dem inzwischen von Amazon übernommenen Onlinehändler, wurde es festes Schuhwerk. Und aus Alando und Zappos wurde Zalando, an dem inzwischen auch Holtzbrinck Ventures und Tengelmann E-Commerce beteiligt sind.Das Attraktive am Onlinehändler ist die Auswahl: 600 Marken, 55 000 Produkte der Frühjahrsmode bei Schuhen und Bekleidung und das alles noch in unterschiedlichen Größen und Farben. "Das ist der große Vorteil gegenüber dem normalen Schuhladen, der maximal ein paar Hundert Modelle im Angebot hat", sagt Pressesprecher Kuhls.Von Adidas, Birkenstock über Timberland bis Vagabond stehen Schuhe zur Auswahl. Inzwischen sprechen die Marken auch oft Zalando an, um auf der Seite vertreten zu sein. Das Lager in Großbeeren platzt aus allen Nähten, denn alle Modelle sind auch wirklich vorrätig - und dort werden sie verpackt und dann überall hin verschickt. Über die Größe des Lagers will Kuhls sich lieber nicht äußern, auch daraus ließen sich ja Rückschlüsse ziehen.Mode-Bereich wird ausgebautEiniges verrät dafür der Erfolg einer Verkaufsaktion am Gleisdreieck in Berlin vor Weihnachten, zu der der Shopping-Club Zalando Lounge geladen hatte - ein spezieller Bereich auf der Seite, für den man sich registrieren muss und dafür Ware der Vorsaison günstig bekommt. 20000 Menschen kamen, um Schuhschnäppchen zu ergattern.Längst gibt es auf der Zalando-Seite nicht mehr nur Schuhe, sondern auch Bekleidung, Accessoires, Sportwaren und ausgesuchte Kosmetik. "Bei den Schuhen gibt es nicht mehr viele Marken, die wir noch nicht im Angebot haben", sagt Kuhls. Es fehlten lediglich einige Luxusmarken, deren Schuhe besonders hochpreisig sind. "Bei Bekleidung gibt es viel mehr Marken und Stilrichtungen, deshalb wird der Mode-Bereich Schritt für Schritt ausgebaut und weiter wachsen." Nicht nur das Angebot, auch die Reichweite von Zalando vergrößert sich. Erst wurde Österreich mitbeliefert, nun gibt es eigene Onlineseiten für die Niederlande und Frankreich. Weitere europäische Länder sollen dazukommen.Doch das vielleicht beste Zeichen für den Erfolg Zalandos gibt es im neuen Berliner Großraumbüro. Auf einem Postwagen neben dem Ausgang stapeln sich Kartons mit Schuhen, Schuhen, Schuhen. Es sind Modelle, die die Mitarbeiter für sich bei Zalando bestellt haben. Lieferung und Rückgabe sind nicht nur für sie kostenlos.------------------------------BERLIN KLICKT - @ MITTELPUNKT DES NETZESFirmen: Im IT- und Telekommunikationsbereich existieren in Berlin mehr als 5 200 Firmen. In keiner Stadt wurden zuletzt mehr Start-ups der Web-2.0-Branche gegründet. Mehr als 950 000 de-Domains wurden hier angemeldet.Vernetzung: Es gibt in Berlin 800 WLAN-Hotspots und mit 1,4 Millionen DSL-Anschlüssen das größte Breitbandnetz innerhalb von Europa.Leistung: Rund 61 000 Beschäftigte sorgen im IT-Bereich für einen Jahresumsatz von zehn Milliarden Euro.------------------------------Foto: Online bestellt: ein frisches Gelb für den Frühling.