Das Berliner Trainer-Original Werner Schwenzfeier wird 70 Jahre alt: Jimmy Hoges Kompliment: "Der Schwenne, das is eener"

Werner Schwenzfeier, geboren in Prenzlauer Berg, war über 30 Jahre als Fußball-Trainer tätig. Sein größter Triumph: Er führte den 1. FC Union Berlin 1968 gegen den FC Carl Zeiss zum FDGB-Pokalsieg. Am Montag, den 10. April, wird das "Schwenne" genannte Berliner Original 70 Jahre alt.Es war erst vor ein paar Tagen. In der Bornholmer Straße hielt der Obsthändler den weißhaarigen Werner Schwenzfeier an und meinte: "Was sagen 'se denn zu Union? Woll'n se nich nochmal den Trainingsanzug anziehen und denen Beene machen?" Spieler auf Bierdeckel Werner Schwenzfeier, der von sich sagt, daß der Fußballverein namens 1. FC Union ein großer Teil seines Lebens war, hört solche Vertrauensbeweise natürlich gern. Es schmeichelt ihm. Fußball-Berlin, zumindest der Osten, hat "Schwenne" den großen Coup aus dem Jahre 1968 nicht vergessen. Damals schlug im Finale des FDGB-Pokals der krasse Außenseiter Union den Favoriten und mit Nationalspielern gespickten FC Carl Zeiss Jena sensationell mit 2:1. Werner Schwenzfeier, der die Unioner zuerst 1966 in die Oberliga führte, vorher auch die DDR-Nachwuchsauswahl trainierte und später noch seine Spuren bei Stahl Finow, Lok Stendal, EAB Lichtenberg 47 und Rotation Berlin hinterließ, erzählt die Geschichte vom Pokaltriumph auch zum hundertsten Male gern. "Im Trainingslager malte ich die Taktik auf einer Tischtennis-Platte auf. Meine Spieler waren Bierdeckel. Und die wirbelten die Jenaer zumindest in der Theorie ganz schön durcheinander." Schwenzfeier hämmerte den Hoge, Uentz und Wruck immer wieder ein, daß die Jenaer unglaublich überheblich seien. "Sollten die ein schnelles Tor machen, werden die garantiert noch überheblicher."Es kam wie vorausgesagt. Der Jenaer Werner Krauß schoß nach 30 Sekunden das 1:0 für Zeiss - und die Stars von Trainer Georg Buschner nahmen die Beine hoch. Meinhard Uentz traf zum 1:1 und Ralf Quest machte später die Sensation perfekt. "Der Alte, der ist ein Hellseher", staunte hinterher nicht nur Außenstürmer "Jimmy" Hoge.Werner Schwenzfeier schlägt sich noch heute vor Freude auf die Schenkel, wenn er daran denkt, wie er den späteren Nationaltrainer Buschner vor dem Finale in arge Schwulitäten brachte:. "Der ,Mäcky` Lauck war gerade von Cottbus zu Union gekommen, und ich habe ihn gleich gegen Peter Ducke gestellt. Es war Laucks erster Einsatz bei Union und in der Oberliga überhaupt. Der Schorsch Buschner, der kannte den gar nicht." Original-Kommentar Lauck damals zu seiner Aufstellung: "Der Schwenzfeier ist wohl verrückt geworden!" Drei wurden Asse Später avancierte Lauck zum Nationalspieler (33 Länderspiele). Werner Schwenzfeier machte aber noch andere zu Auswahlspielern - Wolfgang Wruck, den ruhigen, intelligenten Libero und "Jimmy" Hoge, den unorthodoxen Dribbler. Letzterer war das "Enfant terrible" und kostete Trainer Schwenzfeier viele, viele Nerven. Doch heute, lange nach den unvergessenen Triumphen, macht "Jimmy" seinem einstigen Wegbereiter und Wegbegleiter das größte Kompliment: "Der Schwenne, das is eener!"Es gab natürlich nicht nur eitel Sonnenschein unter Werner Schwenzfeier, der behauptet, "als Trainer mußt du alles sehen oder wenigstens erahnen".Als die Unioner 1968 stolz den schweren FDGB-Pokal mit dem Riesensockel nach Berlin brachten, freuten sie sich auf den Europapokal an der Alten Försterei. Ausgelost wurden die Berliner gegen die Jugoslawen vom FK Bor. Dann kam die Niederschlagung des "Prager Frühlings" dazwischen. Die UEFA loste neu und Dynamo Moskau war neuer Gegner. 15 000 Karten waren gedruckt. Dann zogen alle sozialistischen Länder ihre Teams wegen der Neuauslosung zurück. "Die Enttäuschung war grenzenlos", erinnert sich Werner Schwenzfeier, "die 15 000 Eintrittskarten reichten dann drei Jahre bei Union als Schmierzettel."Wenn Werner Schwenzfeier über Fußball referiert (er ist auch aktiv im Bund Deutscher Fußball-Lehrer), kann er noch fast jedes Tor genau beschreiben, erzählt plastisch jeden Umstand, der zu Sieg oder Niederlage führte. 1960 bekam er gar ein Angebot von Werder Bremen. Die wollten ihn als Co-Trainer engagieren. "Ich hätte die Bundesliga aufgeräumt", sagt er mit seinem arteigenen Humor, "doch ich bin dem Ostfußball treu geblieben."Sind ihm das auch seine Jungs von damals? "Wenn ich sie rufe, sind sie alle da", sagt der Trainer in Ruhestand. Am kommenden Montag wird er 70 +++