Die abgerissenen Betonteile der Mauer finden sich heute fast überall auf der Welt: Die Enkelin des einstigen britischen Premiers Winston Churchill bekam sechs der 1,20 Meter breiten und 3,60 Meter hohen Segmente für eine Kunstausstellung, auch die ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan und George Bush, der Papst und das Hotel Metropole in Monte Carlo dürfen Mauerteile ihr Eigen nennen.Winkelstützelemente heißen die Betonsegmente im Fachjargon. Und sie werden vom Betonwerk Malchin in Mecklenburg-Vorpommern noch immer hergestellt in verschiedenen Größen und zu ganz zivilen Zwecken. In der Landwirtschaft dienen sie zum Bau von Güllegruben oder Misthaufen. Landschaftsplaner setzen sie zum Abstützen von Hängen ein, Häuslebauer greifen auf sie zurück, um Garagenzufahrten anzulegen.Pro Jahr produziert das Betonwerk Malchin rund 100 Winkelstützelemente, sagt Hans-Joachim Maehl, Geschäftsführer der Beton Nord GmbH, die das Werk 1995 in der zweiten Privatisierung übernommen hat. Zu Mauerzeiten waren es noch 6 000 Teile. Die Hälfte davon bekam die Nationale Volksarmee (NVA), die übrigen erhielten Industrie und Landwirtschaft, die die Segmente unter anderem zum Bau von Lagerhallen benötigten. Im Durchschnitt kostet ein Element heute 500 Mark, früher wurden Kosten von 800 Mark verbucht. Bestellt wurden die Teile von der NVA im Auftrag des Verteidigungsministeriums. Die letzte Bestellung datiert vom 29. Dezember 1988, als die Militärs bei den Malchinern 1 500 Teile für das erste Halbjahr 1990 in Auftrag gaben. Doch soweit sollte es nicht mehr kommen. Mit Datum vom 17. November 1989 strich die Nationale Volksarmee alle Bestellungen. Die Stornierung erreichte das Malchiner Baustoffkombinat unter dem Zeichen 30/4665/89 am 22. November 1989. Begründung: "Auf Grund veränderter militärpolitischer Aufgabenstellung" werde der für 1990 abgeschlossene Wirtschaftsvertrag zurückgezogen.Die Produktion von Winkelstützelementen ist für das Unternehmen heute aber nur noch Nebensache. "Unter fünf Prozent" liegt der Anteil am Umsatz, sagt Hans-Joachim Maehl. Der von 350 auf zirka 50 Mann geschrumpfte Betrieb hat sich auf die Herstellung von Decken, Treppen und Balkonen für den Wohnungsbau spezialisiert. Die Existenz des Werks ist gesichert, sagt Maehl. Nach Zertifikaten, die die Echtheit von Mauerteilen bestätigen, hat in Malchin bisher noch keiner gefragt. Die technischen Untersuchungen wären auch zu aufwändig. Trotzdem gibt es einige Merkmale, an denen die echten Winkelstützelemente zu erkennen sind. Die Meister haben in jedes Teil den Anfangsbuchstaben ihres Nachnamens eingraviert.ULRICH PAUL Blick zurück: 1990 stapelten sich noch die Mauerteile im Werk Malchin.