Wenn es regnet, läuft das Wasser innen und außen vom Tempeldach herab. Die Holzbalken sind verschimmelt, die Steinwände kaputt, das Mauerwerk hat lange Risse. "Das Buddhistische Haus ist in einem sehr schlechten Zustand", sagt Medhayo, der leitende Mönch. Er, ein zweiter Mönch und drei Buddhisten wohnen in dem alten Haus am Edelhofdamm in Frohnau.Etwa 700 000 Euro würde es kosten, das denkmalgeschützte Kloster und den Tempel zu sanieren. Doch offenbar hat niemand das Geld dafür. Die Mönche nicht, der Eigentümer nicht und bisher auch keine Institution oder Stiftung. Dabei ist das 82 Jahre alte Haus eine Seltenheit und eine Attraktion. Etwa 5 000 Besucher kommen jährlich, um sich das Gebäude mit seiner alten Bibliothek und den Tempel mit seinen beiden Buddha-Figuren anzuschauen. Es sind Schulklassen, Seniorengruppen, Kirchengemeinden. Hinzu kommen Gläubige aus der ganzen Welt, die im Buddhistischen Haus Meditationskurse machen, sich Vorträge über die Lehren Buddhas anhören und darüber diskutieren. "Das Haus steht allen offen. Wir wollen die Lehren des Buddhismus im Alltag erlebbar machen", sagt Medhayo. Und weil sich immer mehr Menschen für den Buddhismus interessierten, wird sogar ein neues Meditationshaus gebraucht. Eines, in dem auch wochenlange Meditationen möglich sind. Doch auch dafür fehlt Geld.Das Haus hat einen weltweit anerkannten Ruf. "Von hier aus wurde der Buddhismus in Westeuropa bekannt gemacht", sagt Franz-Johannes Litsch vom Internationalen Netzwerk engagierter Buddhisten in Berlin. Viele buddhistische Persönlichkeiten hätten schon in dem Haus gelebt, in der Bibliothek lägen noch viele unveröffentlichte Schriften "von unschätzbarem Wert". "In ganz Asien ist dieses Haus bekannt", sagt Litsch. "Und trotzdem verfällt es dramatisch weiter."Vom historischen Wert des Hauses sind auch die Behörden überzeugt. "Es ist ein herausragendes Denkmal, das dringend erhalten werden muss", sagt Helmuth Paland, der Leiter der Stadt- und Regionalplanung im Bezirksamt Reinickendorf. Schon viele Jahre beschäftigt sich die Behörde mit dem "katastrophalen baulichen Zustand" des Hauses. Doch das Amt hat keinen Kontakt zu den Eigentümern. "Die Eigentumsverhältnisse sind sehr schwierig zu durchschauen", sagt Paland.Haus und Grundstück gehören Mitgliedern der German Dharmaduta Society mit Sitz in Colombo. Die Besitzer haben Ende der 90er-Jahre einen Teil des riesigen Grundstücks verkauft, um von dem Geld Haus und Tempel sanieren zu können. Auf dem verkauften Grundstück stehen heute Eigenheime, doch saniert wurde nichts. Was die Eigentümer mit dem Geld gemacht haben, sagt niemand.Im Herbst hat Mönch Medhayo begonnen, an Stiftungen und Behörden zu schreiben und um Geld zu bitten. Zurzeit prüfen die Senatsverwaltungen für Kultur und Stadtentwicklung einen Antrag, den die Mönche bei der Stiftung Deutsche Klassenlotterie gestellt haben. Vielleicht werden das buddhistische Haus und der Tempel doch noch saniert, bevor die Mönche mit nassen Füßen meditieren müssen.------------------------------Ein Arzt baute das HausDer Arzt, Religionsforscher und Buddhist Paul Dahlke (1865-1928) ließ 1924 in Frohnau ein Haus für Buddhisten errichten. Er selbst lebte bis zu seinem Tod darin.Täglich von 9 bis 18 Uhr können Buddhisten den Tempel am Edelhofdamm für Gebete und Meditationen besuchen. Anmeldung für Führungen unter 4010 5641.In Berlin leben etwa 10 000 Deutsche nach Buddhas Lehren. Hinzu kommen zahlreiche Gläubige aus Ländern wie Indien, Sri Lanka, Thailand, China, Japan.------------------------------Foto : Buddhas Mann in Berlin: Mönch Medhayo vor Gotamas Statue im Tempel.

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