Seinen Zorn und die Enttäuschung hat Nelson Mandela kaum verbergen können: "Etwas sehr Ärgerliches ist passiert", sagte er am Montag mit bebender Stimme und kündigte an, dass nicht alle Kriegsparteien den Burundi-Friedensvertrag unterschreiben würden. Er glaube einfach nicht, dass andere Staaten solche herzlosen Führer wie in Burundi hätten, erklärte der Elderstatesman im Beisein des US-Präsidenten Clinton in Arusha. Die Teilung der Macht zwischen Hutu und Tutsi in dem zentralafrikanischen Staat und ein Ende des Bürgerkriegs sind damit erst einmal in weite Ferne gerückt. Mandela attackierte insbesondere Präsident Pierre Buyoya, der nach wie vor die Existenz politischer Gefangener in Burundi leugne. Seit Dezember 1999 hatte der frühere südafrikanische Präsident mit den am Bürgerkrieg beteiligten Parteien, mit der Regierung und der Armee verhandelt. Doch nur vierzehn von neunzehn Verhandlungsdelegationen unterschrieben den vorläufigen Friedensvertrag. Streit hatte es um das Wahlgesetz gegeben, um einen Übergangspräsidenten, um die Integration von Hutu-Rebellen in die Tutsi-Armee, sowie um eine zu bestellende Wahrheits- und Versöhnungskommission. Die fünf Parteien, die das Vertragswerk nicht ratifizierten, vertreten die Minderheit der Tutsi in Burundi, obwohl die wichtigste Tutsi-Partei das Papier unterschrieb. Zwar hatten die Regierung des Präsidenten Buyoya und die Militärs, allesamt dominiert von den Tutsi, am Montag zähneknirschend unterschrieben. Doch die Zeremonie im Konferenzzentrum von Arusha und die harschen Worte Mandelas zeigten, dass dieser Frieden nur halbherzig ist. Präsident Clinton appellierte: "Wenn alles gesagt ist, dann sind Sie hier die Einzigen, die das Blutvergießen und Leiden in ihrem Land stoppen können." Als Vermittler in Afrika hatte Mandela bisher keine glückliche Hand. Seit Dezember 1999 hatte der Südafrikaner auf Bitten afrikanischer Staatschefs und finanziert durch Länder der Europäischen Union, in Burundi zu vermitteln versucht. Nur widerwillig hatte er das Amt angenommen, mit Verweis auf sein hohes Alter und die anderen Verpflichtungen als Elderstatesman. Nach dem Scheitern des Friedensvertrages ist zu befürchten, dass Mandela entnervt aufgibt. Sowohl der frühere südafrikanische Präsident als auch seine Berater glänzten nicht immer mit ihrem Sachverstand über Burundi. Zu wenig gingen sie auf die Ängste der Volksgruppen im Land ein. Die Tutsi fürchten sich vor freien Wahlen, bei denen die Hutu die Macht übernehmen könnten. Seitdem 1993 der erste demokratisch gewählte Präsident des Landes von putschenden Tutsi-Militärs ermordet worden war, sind 200 000 Menschen bei Massakern der Armee und bei Angriffen der Hutu-Rebellen ums Leben gekommen. Alle anwesenden Hutu-Organisationen haben das Arusha-Dokument unterschrieben. Doch die beiden Hutu-Rebellengruppen waren in der tansanischen Stadt bei den Verhandlungen gar nicht anwesend. Sie werden das Scheitern des Arusha-Vertrages als Bestätigung dafür interpretieren, dass sie sich geweigert hatten, ihre Waffen niederzulegen, bevor sie zu Verhandlungen kommen. Mandelas Unterhändler rechnen damit, dass in den nächsten Tagen einige der fünf Boykotteure doch noch unterschreiben werden. Die Unterzeichner haben 30 Tage Zeit, um sich auf einen Übergangspräsidenten und ein Kabinett zu einigen. Ob es so weit kommt, ist fraglich. Für die nächsten Wochen ist zu fürchten, dass die Anschläge der Guerillakämpfer auf Militärkonvois und Flüchtlingslager zunehmen. Und die militanten Tutsi in der Armee könnten brutal gegen die Landbevölkerung zurückschlagen. Burundi stehen unruhige Zeiten bevor.