Eisiger Wind pfeift über die endlosen Schneefelder Ostsibiriens. Bis auf minus 45 Grad ist die Temperatur gefallen, eine internationale Expedition kämpft sich durch den Schnee und schlägt ihr Nachtlager auf. Mühsam werden die Zelte im tiefgefrorenen Boden verankert. Doch einige Teilnehmer machen sich weitaus weniger Mühe, sie rollen einfach nur ihre Schlafsäcke in den Schnee, Schlafsäcke der Firma Yeti-Exner-Design aus Borgsdorf bei Oranienburg.Die Borgsdorfer sind bei Schlafsäcken Weltspitze, sie behaupten sich auch gegen die harte Konkurrenz aus Neuseeland und den USA. Bernd Exner, der zusammen mit seiner Frau Sabine das Unternehmen führt, beschäftigt heute 15 Leute. In der Manufaktur werden inzwischen jährlich tausende Schlafsäcke genäht und in alle Welt exportiert, vor allem nach Schweden, Norwegen, Spanien, Italien, Österreich und die Schweiz. Geliefert wird sogar nach Afrika. "Inzwischen haben wir es auch geschafft, in den Markt der USA einzudringen. Da sitzen unsere härtesten Konkurrenten", sagt Sabine Exner.Anorakstoff und BettdeckenDie Idee zu ihrem Unternehmen hatten die Exners schon vor vielen Jahren, bei einer Wandertour. 1983 kletterten sie im Winter durch das Fargas-Gebirge in Rumänien. Damals gab es in der DDR nur eine Bettenfirma im Vogtland, die Campingschlafsäcke herstellte. "In denen hätten wir uns zu Tode gebibbert", sagt Bernd Exner. Und Westverwandtschaft, die einen Daunenschlafsack hätte spendieren können, gab es auch nicht. Exners halfen sich also durch Eigeninitiative: besorgten sich Anorakstoff, plünderten Bettdecken und nähten sich ihre ersten Schlafsäcke."Unsere Eigenproduktionen hielten uns prima warm und im Nu fragten Bergsteiger bei uns an, die auch solche Schlafsäcke haben wollten", sagt Sabine. Aufträge hatten sie bald genug, doch mit dem Material haperte es, und so mussten die Kunden die Daunen selbst mitbringen. Um an den beschichteten Anorakstoff heranzukommen, beteiligten die Exners den DDR-Bergsteigerbund an dem Projekt. Der konnte als "gesellschaftlicher Bedarfsträger" den Stoff kaufen. "Wir bezahlten und nähten",sagt Sabine Exner. Ob Himalaja- oder Grönland-Expeditionen, ob Fahrradtouristen oder Camper Yeti-Exner-Design kann heute für jeden Anspruch den richtigen Schlafsack bieten. "Am häufigsten verkaufen wir Allround-Modelle, die bis minus fünf Grad Celsius eingesetzt werden können", sagt Bernd Exner. Aber auch eine Grönland-Expedition wurde von den Borgsdorfern komplett mit Daunenschlafsäcken, Jacken und Hosen ausgerüstet. Mehr als minus 40 Grad sollten sie aushalten können. Sabine Exner: "Wir haben dafür drei Daunenkammern übereinander genäht. Dadurch gibt es einen gleichmäßigen Kälteschutz, weil die Daunen nicht verrutschen können", sagt Sabine Exner.Erfolg durch Extreme Auch mit anderen Ideen sind die beiden Exners sehr erfolgreich: Schlafsäcke in verschiedenen Größen, für Babys zum Beispiel. Oder eine Kombination aus Schlafsack und Iso-Matte. Bernd Exner sagt: "Statt einer gefüllten Unterseite, die beim Liegen gequetscht wird und dann kaum noch wärmt, gibt es eine Kammer für die Iso-Matte. Damit schaffen wir bei gleichem Volumen doppelt so viel Platz." Wer sich für einen Schlafsack aus Borgsdorf entscheidet, muss bis zu 1 000 Mark bezahlen. Dafür bekommt er ein Spitzenprodukt, das zehn bis 15 Jahre hält. Doch nicht alle legen Wert auf eine so lange Lebensdauer: Extrem-Bergsteiger, sagt Bernd Exner, lassen ihre Ausrüstung oft im Gebirge zurück wegen der hohen Frachtkosten. Das sei zwar nicht so ökologisch, aber gut fürs Geschäft.SCHLAFSÄCKE Maßarbeit // Rund 40 Firmen stellen weltweit Schlafsäcke her. Vor allem in Asien und den USA hat Yeti-Exner-Design starke Konkurrenz.10 000 Schlafsäcke in 50 Varianten werden in Borgsdorf genäht, außerdem auch Thermojacken und -hosen.Noch bei 50 Grad unter null sollen sie Extrembergsteiger schützen und müssen dabei doch besonders leicht sein. Klein und Platz sparend sind besondere Exemplare für Fahrrad-Touristen.