Kurt Krieger ist jetzt 62 Jahre alt und er hat noch eine Vision. Aus dem seit Jahrzehnten brach liegenden Gelände des früheren Güter- und Rangierbahnhofes in Pankow will der Besitzer der Möbelhauskette Höffner ein riesiges Einkaufszentrum mit Möbelhaus und ein Parkgelände errichten. Bis zu 250 Millionen Euro will Kurt Krieger - nach Ikea der zweitgrößte Möbelverkäufer in Deutschland - investieren. "Das Pankower Grundstück hat Entwicklungspotenzial", sagt er. Krieger nennt sein Großprojekt auch "Neue Mitte Pankow".16 Möbelhäuser führt Kurt Krieger deutschlandweit, drei davon stehen in Wedding, Schönefeld und Waltersdorf. Das neue Möbelhaus am nördlichen Stadtrand in Pankow soll vor allem die Kundschaft aus dem nördlichen Brandenburger Umland anziehen. "Das ist die Chance, die Kaufkraft aus der Region an die Stadt zu binden", sagt Krieger.250 000 Quadratmeter groß ist das Areal zwischen dem S-Bahnhof Pankow und der Autobahn an der Prenzlauer Promenade. Das entspricht einer Größe von 34 Fußballfeldern. Erst im vergangen Jahr hat Krieger das Grundstück von der früheren Bahntochter Aurelis gekauft, die heute zu Hochtief gehört. Aurelis war vor drei Jahren mit seinen Umbauplänen für das Gelände gescheitert. Zu gigantisch und zu konsumorientiert erschien den Pankower Politikern das Konzept. Vier Jahre Arbeit und mehrere 100 000 Euro waren umsonst.Eine Bibliothek für den BezirkDiese Fehler will Kurt Krieger nicht wiederholen. Er weiß, ohne Zustimmung der Pankower Politiker läuft gar nichts. Auch der Bezirk muss von seiner Millionen-Investition profitieren. Also teilt Kurt Krieger das frühere Bahngelände erst einmal in drei Bereiche ein. Im ersten Teil am U-und S-Bahnhof Pankow an der Berliner Straße soll ersten Plänen zufolge ein bebauter Marktplatz mit Bibliothek, Bürogebäuden und einem Ärztezentrum entstehen. In die Bürogebäude, so sein Vorschlag, könnte die Pankower Verwaltung ziehen. Platz wäre für 400 Arbeitsplätze. Im mittleren Teil des Eisenbahngeländes plant der Unternehmer einen Themenpark mit Freilichtbühne, Museum, Spiel- und Sportflächen. Aus 13 Teilen könnte der Park bestehen, für jeden Pankower Ortsteil würde Kurt Krieger einen eigenen Bereich gestalten.Mit einem Einkaufszentrum von 40 000 Quadratmetern Verkaufsfläche und einem Möbelhaus, das ebenso groß sein soll, will Krieger an der östlichen Seite des Bahngeländes seine Investitionspläne umsetzen. Dort führt auch die Autobahn in Richtung Prenzlau und Wittstock entlang, es wird mehrere hundert Parkplätze geben. "Etwa 60 Prozent der Kundschaft wird aus dem Umland kommen", sagt Krieger. Damit ihm keine Anlieger in die Quere kommen, hat Krieger anliegende Grundstücke mitgekauft. Ein Bankenkonsortium und Investoren sollen das gigantische Bauvorhaben im Norden Berlins finanzieren. Pankow gilt als aufstrebender Bezirk, in den immer mehr gut verdienende Menschen, darunter viele Familien, ziehen.Die Pankower Politiker reagieren vorerst verhalten auf die Pläne des Möbelhändlers, doch pure Ablehnung ist nicht zu spüren. "Wir sind gut beraten, über die Pläne nachzudenken", sagt Michail Nelken (Linke), Stadtrat für Stadtentwicklung. "Die Auswirkungen werden enorm sein, wir müssen an vieles denken."Die Vorschläge könnten "bei einem nicht unerheblichen Teil der Alt-Pankower Herzschmerzen verursachen", gibt der baupolitische Spreche der Grünen in Pankow, Peter Brenn, zu bedenken. "Wohnen, Arbeiten und eine Schule haben in der Planung von Herrn Krieger keinen Platz." Der Bezirk hatte einst familiengerechtes Wohnen auf dem Gelände gefordert sowie förderfähiges Gewerbe statt großflächigen Einzelhandel. In den Plänen des Senats hingegen ist das Gelände laut Zentrenkonzept 2020 für großflächigen Handel vorgesehen.Und so unterstützt der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen, Kriegers Pläne im Berliner Norden. "Das ist der bisher ausgereifteste Vorschlag. Er unterscheidet sich wohltuend von allen bisherigen Plänen", sagt Busch-Petersen. Der Einzelhandel im Gebiet Alt-Pankow werde nicht beeinträchtigt.Kurt Krieger sagt, seine Pläne seien zuerst mal eine Grundidee. Er sei bereit, darüber zu diskutieren. Er könne das Gelände aber auch weiter verfallen lassen. Doch das will in Pankow keiner.------------------------------Stillgelegt vor 13 JahrenDer Güter- und Rangierbahnhof war einst Berlins wichtigster Warenumschlagplatz. Er wurde von 1891 bis 1893 für 8,9 Millionen Reichsmark gebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof beschädigt, als Munitionswagen explodierten.Betonwände für den Plattenbau wurden in den 70er- und 80er-Jahren auf dem Gelände entladen. Zu DDR-Militärparaden kamen die Züge mit Panzern dort an.Nach der Wende wurde der Bahnhof immer bedeutungsloser. 1997 wurde er stillgelegt.Stadtplaner gewannen im Jahr 2004 einen Architekturwettbewerb mit der Idee, einen Bisonpark anzulegen. Alle Pläne, das Gelände zu entwickeln, scheiterten.------------------------------Karte: ehemaliger Rangier- und Güterbahnhof PankowFoto: Kurt Krieger, Inhaber der Möbelkette Höffner aus WaltersdorfFoto: Blick auf die Brache: das Gelände des früheren Güter- und Rangierbahnhofs in Pankow.