Das Foyer des "Filmkunsthauses Babylon" am Rosa-Luxemburg-Platz ist die längste Zeit Vorführraum gewesen. Mitte Mai ist das siebenjährige Provisorium beendet. Dann wird ein kleiner, zusätzlicher Kinosaal auf der ehemaligen Bühne mit rund 70 Plätzen fertig sein, sagt Architekt Klaus Meyer-Rogge. Der seit August 1993 wegen drohenden Deckeneinsturzes gesperrte große Saal ist voraussichtlich erst im Februar 2001 wieder bespielbar. Die gebrochenen Holzträger der Decke wurden durch Stahl ersetzt, das Dach komplett erneuert. Am Mittwoch wird deshalb Richtfest gefeiert.Im Verein sei man schon euphorisch, sagt Geschäftsführerin Sabine Lenkeit. "Wir freuen uns total, dass das Kino erhalten bleibt und wir ein zusätzliches Studiokino bekommen", sagt sie. Nach dem Ende der Bauarbeiten soll im großen Saal des "Babylons" mit rund 450 Plätzen "große Filmkunst" zu sehen sein. Stummfilme etwa, die mit der restaurierten Kinoorgel begleitet werden. Im kleinen Saal sollen Dokumentar- und Experimentalfilme laufen. "Wenn sie beim Publikum gefragt sind, haben wir dann die Möglichkeit in den großen Saal zu wechseln", sagt sie. Für Janko Jochimsen, Vorstand des Betreibervereins "Berliner Filmkunsthaus Babylon" ist es ein "Zurück in die Normalität". Das Kino, integriert in einem 1928 gebauten Wohn- und Geschäftshaus, ist für Architekt Meyer-Rogge die Schnittstelle von Vergangenheit und Zukunft. Die Vergangenheit des so genannten Babylon-Blocks verbindet Meyer-Rogge vor allem mit dem Erbauer Hans Poelzig. "Ein Idol für Architekten", sagt er. Poelzig, Vertreter der Neuen Sachlichkeit, hat auch das Haus des Rundfunks entworfen. Sein formaler Standard sollte erhalten bleiben, sagt Meyer-Rogge. Er habe aber auch die Bedingungen für den wirtschaftlich vernünftigen Betrieb schaffen müssen: genügend Platz für Empfänge, Zuschauer, modernen Schallschutz und Kinotechnik.Bei der Renovierung waren auch die Vorstellungen der Denkmalschützer zu beachten. Von den 9,2 Millionen Mark Baukosten für das Kino ohne den zusätzlichen kleinen Saal kommen 60 Prozent aus dem Etat für städtebaulichen Denkmalschutz. Für Sessel, Filmprojektoren und Tontechnik stehen knapp zwei Millionen Mark Lottomittel zur Verfügung, sagt Vereinsvorstand Janko Jochimsen.Seinen Originalzustand wird das Kino aber nicht mehr erhalten. Für den großen Saal fehlen Bauunterlagen. Er bekommt die gleiche Form wie nach dem Umbau des Kinos im Jahr 1948. "Barock mit Goldleiste", sagt Meyer-Rogge dazu. Die sowjetischen Besatzer wollten damals einen repräsentativen Veranstaltungsort schaffen. Der Himmel im Saal wurde aufwändig rekonstruiert. "Nach dem Richtfest am Mittwoch wird dann der neue Boden verlegt", sagt Bauleiter Dieter Graupner. Erst danach kommen die Maler. "Das Farbkonzept wird noch erarbeitet", sagt Graupner. Von der Wand seien Proben genommen worden. "Das waren fünf oder sechs verschiedene Schichten, welche die passsende für den 1948er-Zustand ist, wird noch geklärt."KINO BABYLON Im Februar 2001 ist die Sanierung beendet // 1928 hat Architekt Hans Poelzig den "Babylon-Block" errichtet. Das Kino ist in das Wohn- und Geschäftshaus-Ensemble integriert. Poelzig gilt als Vertreter der "Neuen Sachlichkeit" und hat auch das Haus des Rundfunks entworfen.1948 ist das Kino umgebaut worden und wurde Premierenkino. Im August 1993 wurde der Kinosaal gesperrt, weil die Decke einzustürzen drohte.Seit April 1999 wird das Kino saniert und ein zweiter Saal eingebaut. Die Arbeiten sollen im Februar 2001 abgeschlossen sein.