Das Ende von Mama Concerts: Ein Gespräch mit Marcel Avram: Es zerreißt mir das Herz

Marcel Avram von Mama Concerts gibt diese Firma auf und kooperiert mit der Deutschen Entertainment (Deag) von Peter Schwenkow. Gemeinsam werden sie die Firma Entertainment One führen. Avram hat jahrzehntelange Erfahrungen im internationalen Unterhaltungsgeschäft. Als Produzent und Veranstalter führte er Barbra Streisand nach London, Michael Jackson nach Tokio und Tina Turner nach Tel Aviv.Warum verbünden Sie sich ausgerechnet mit Ihrem schärfsten Konkurrenten, mit Peter Schwenkow von der Deag?Ich bin kein Angestellter der Deag, sondern Geschäftsführer der Firma Entertainment One. An der bin ich mit 30 Prozent beteiligt, die Deag Global Entertainment in der Schweiz mit 70 Prozent.Die aber zur Deutschen Entertainment gehört. Ich lege Wert darauf, kein Angestellter von Schwenkow zu sein. Natürlich zerreißt es mir das Herz, die Firma aufzugeben. Sie ist immerhin 32 Jahre alt geworden. Aber die Zeit der One-Man-Shows ist vorbei, das muss ich zur Kenntnis nehmen. Heute spielt man nicht mehr mit auf dem internationalen Parkett, wenn man nicht an der Börse notiert ist, da fehlt das Kapital.Sie hätten den Börsengang allein nicht geschafft? Wenn, dann hätte es meine ganze Kraft gekostet. Als Börsianer bliebe mir keine Zeit mehr für meine Musik. Das ist nun der Kompromiss - beide Seiten profitieren. Die Deag möchte expandieren, und ich habe die weltweiten Kontakte. 80 Prozent meiner Geschäfte sind international. Auch meine Bedingungen wurden akzeptiert - ich darf weiter in Israel bleiben, wo ich seit zwei Jahren lebe, und bin der alleinige Geschäftsführer. Bei Verhandlungen habe ich einen finanziell starken Partner hinter mir, und kann tun, was ich will. Ich kann wieder mitbieten, wenn es um Tourneen in Australien und Singapur geht. Und wenn zehn Millionen Mark Vorkasse vorausgesetzt werden, bitte sehr, sag ich jetzt.Von Peter Schwenkow hat man gerade in Ihrem Haus bisher nicht viel gehalten. Er wurde wie ein Feind angesehen.Sie haben Recht. Aber der Schwenkow ist erwachsener geworden, auf alle Fälle international. Und seine Fähigkeiten in der Musikbranche hat er ja bewiesen. Man muss das positiv sehen.Jetzt gibt es einen Monopolisten auf dem Markt, ein Umstand, vor dem Sie immer gewarnt haben.Eine Monopolstellung ist immer gefährlich, aber in diesem Fall wird es sich eher positiv auswirken. Als internationaler Veranstalter kann man für lokale Märkte bessere Bedingungen aushandeln, also am Ende niedrigere Kartenpreise.Herr Avram, Sie mussten in Deutschland eine Haftstrafe absitzen, weil Sie versucht haben, Ihren Künstlern Ausländersteuer zu ersparen, die um zehn Prozent angehoben worden war. Jetzt soll die Steuer wieder gesenkt werden. Ich bin das Opfer dieser Steuer. Ohne sie müsste ich heute nicht kooperieren, da hätte ich selber eine Firma an der Börse. In meiner Marktstellung hat mich die Steuer-Sache um 10 Jahre zurückgeworfen. Aber ich bin optimistisch, in fünf Jahren könnte Entertainment One das führende Unternehmen seiner Branche in der Welt sein, zumindest aber in Europa.Das Gespräch führte Birgit Walter.