WOLTERSDORF. Mit Parkplätzen für Autos hätte er sich vermutlich nie beschäftigt. Denn Hugo Höppener alias "Fidus", vor rund hundert Jahren einer der populärsten Jugendstilkünstler, lehnte die Industrialisierung mit all ihren Folgen für die Lebensumstände der Menschen rundweg ab. Lieber malte er mystisch umflorte Nackedeis, predigte ein "Zurück zur Natur", das Vegetariertum und die freie Entfaltung des Körpers. Der "Künstler alles Lichtbaren" war einer der Protagonisten der lebensreformerischen Idee. Doch ein "Museum der deutschen Lebensreform" in Fidus Woltersdorfer Atelier- und Wohnhaus, das an die Lebensreform-Bewegung erinnern will, ist nun vorerst gescheitert. Und zwar daran, dass es keine Parkplätze gibt.Die Eröffnung des Hauses war schon für vorigen Dezember geplant. Aber die blau-gelbe Fachwerk-Villa in der Kolonie Schönblick - vom Eigentümer für 1,6 Millionen Mark saniert und vom Kulturministerium mit dem Brandenburgischen Denkmalpreis ausgezeichnet - ist für die Öffentlichkeit nach wie vor nicht zugänglich. Träger der Einrichtung, in die Land und Bund in den vergangenen Jahren 233 000 Mark und private Spender 22 000 Mark investiert haben, ist bis heute ein Museumsverein. Er will sich jetzt auflösen. Denn trotz aller Förderung fehlt das Geld für genau sechs Auto-Stellplätze, die die Bauordnung vorschreibt. Rund 60 000 Mark würden sie kosten, viel zu viel für den Verein. Förderung nicht ausgezahltZuschüsse von staatlicher Seite gibt es nicht für Parkplätze. Eine andere Lösung ist nicht in Sicht. Die Gemeinde Woltersdorf wäre zwar wohl bereit, die Parkplätze zu finanzieren. Dafür lehnt sie es aber ab, sich an den Betriebskosten des Museums zu beteiligen. Nur dann jedoch würde auch der Landkreis Oder-Spree einen Teil der Betriebskosten übernehmen, also Miete, Heizung und Strom. Eine langfristige Kostenübernahme durch den Kreis sei nicht möglich, sagt Kulturamtsleiter Wolfgang de Bruyn. Nur zwei Museen gewähre man einen solchen Zuschuss, alle anderen Einrichtungen müssten sich mit Projektfördermitteln begnügen. Doch es kommt noch schlimmer: Das Kulturministerium zahlt bereits zugesagte 175 000 Mark Förderung nicht aus, weil das Museum ja gar nicht wie geplant eröffnet worden sei. Ministeriumssprecher Holger Drews sagt, auch für das Land sei die Parkplatzfinanzierung "ausgesprochen schwierig". Deshalb gebe es "momentan keine Alternative zur Nicht-Eröffnung.""Eine ausweglose Situation" nennt dies Oliver Haller, Vorsitzendes Museumsvereins mit seinen sechs Mitgliedern. Man drehe sich im Kreis, sagt auch Kulturamtsleiter de Bruyn - und kündigt noch für diese Woche neue Verhandlungen mit dem Ministerium an.Die geplante Selbstauflösung des Vereins könnte diese Verhandlungen durchaus vorantreiben. Denn sie ist so etwas wie ein Trick: "Durch die Auflösung wird das Land laut Satzung Erbe und Nachfolger des Vereins", sagt Projektleiter Jürgen Roland. "Dann ist das Land auch für das Fidushaus verantwortlich." Das Kulturministerium sieht dies freilich anders: "Der Besitz geht zwar an das Land über, die Rechtsnachfolge ist jedoch nicht geklärt", sagt Ministeriumssprecher Drews. Auch der Landkreis glaubt nicht an diese Strategie: "Das könnte ja sonst jeder Verein mit finanziellen Schwierigkeiten machen", sagt Kulturamtsleiter de Bruyn.Eigentlich könnten es alle Beteiligten viel einfacher haben. Denn für Besucher des Fidus-Hauses wäre es gar nicht schwer, einen Parkplatz zu finden. Die Straße ist breit genug für Autos neben dem Bürgersteig. Aber solche Parkplätze zählen laut Bauordnung nicht.Der "Getreue" saß für seinen Lehrer in Haft // Fidus: Hugo Höppener (1868-1948) wurde Fidus - der "Getreue" - genannt, weil er für seinen Lehrer acht Tage in Haft saß.Motiv: Seine bekannteste Arbeit ist das "Lichtgebet": ein Jüngling, der auf einer Felskuppe stehend die Arme gen Himmel streckt. Fidus malte als NSDAP-Mitglied auch ein Hitler-Bild.