Es gibt Ideen, da denkt man: Warum ist darauf bloß nicht schon eher jemand gekommen? Matta und Liesbeth, die beiden lästerlichen Alten aus den Programmen des Frauenkabaretts Missfits als die männermordenden Tanten Martha und Abby in "Arsen und Spitzenhäubchen" ­ am Theater Oberhausen hatte diese skurrile, aber überaus einleuchtende Verschwisterung Premiere. Unter die Arme gegriffen wurde den Kabarettistinnen Gerburg Jahnke und Stephanie Überall von den vier Darstellern des "Polizeireviers Oberhausen Mitte", einer monatlich laufenden Trash-Serie des Stadttheaters.Schon als Fräulein Überall eingangs gehässig vor sich hinkichert ist klar, wie Regisseur Dieter Woll die Rollen angelegt hat: Die verhutzelten alten Damen aus Joseph Kesselrings Komödie, das sind keine anderen als Matta und Liesbeth, die zwei derben alten Schachteln aus dem Kohlenpott. Behende humpeln sie an ihren Stöcken über die Bühne, reißen zotige Witze und klapsen Männern gern mal auf den Hintern."Aber getz is klar, wat er immer war. N fiesen Möpp, n fiesen Möpp", schmettern die pietätlosen Omas das "Sausack Lied" der Missfits. Die Jungs vom Polizeirevier Oberhausen Mitte stehen ihnen in Sachen Brachialkomik und Bühnenpräsenz nicht nach. In Doppel- und Dreifachrollen toben sie über die Rampe und die Inszenierung bekommt anfangs viel Drive.Daß der Drive nicht die ganze Zeit anhält, liegt vor allem daran, daß Matta und Lisbeth eindeutig nicht wie zarte alte Damen auftreten. So ist ein wesentlicher Reiz der Vorlage, daß es gerade zwei nette Tantchen sind, die ein sattes Dutzend Morde verüben, verlorengegangen. Daß Lisbeth mal eben Arsen, Strychnin und eine klitzekleine Prise Zyankali in den Holunderbeerwein mixt, überrascht niemanden besonders.Die Chaos-Polizisten liefern Szenen von derber Liebenswürdigkeit. So als Mike Meier (Jeffrey R. Zach) eine Tür nicht schnell genug öffnet. Der geknebelte Willy fällt da aus der Rolle, zieht sich den Stoff aus dem Mund, sagt "Jetzt mach sie doch endlich auf!", stopft sich den Knebel wieder rein und würgt sodann fleißig weiter. Von solch einer Anarchie unterm Spitzenhäubchen hätte die Inszenierung noch etwas mehr vertragen.