KAULSDORF. Bisher galt das Strandbad Wannsee als das älteste Freibad der Stadt. Im Mai 2007 begeht es sein 100. Jubiläum. Doch eine kleine Anlage am östlichen Stadtrand macht dem Wannseebad diesen Rang streitig. Das Freibad Wernersee, kurz Wernerbad genannt, feiert schon an diesem Freitag das hundertjährige Bestehen."An der heutigen Ridbacher Straße wurde am 12. August 1905 der Kaulsdorfer Schwimmverein Wetterfest gegründet", sagt Harald Kintscher. In einem Adressbuch von 1905/06 hat der Heimatforscher den Nachweis gefunden. Dort ist der Schwimm- und Eislaufverein mit Sitz im "Badeschlösschen", einer Anlage mit Restaurant, Garten und Badeanstalt, vermerkt. Gründungsvorsitzender war laut Kintscher der Mahlsdorfer Postbeamte Erich Schönberner. Das Bad war damals nur etwa ein Viertel so groß wie heute, etwa 1 200 Quadratmeter. Der Lokalhistoriker klärt gleich noch einen weiteren, weit verbreiteten Irrtum auf: Das Wernerbad liegt nicht in Mahlsdorf. Zwar gibt es viele historische Postkarten mit genau diesem Aufdruck, doch der ist falsch. "Territorial gehörte das Bad schon immer nach Kaulsdorf", sagt Kintscher. Es habe sich aber anscheinend unter der Ortsmarke Mahlsdorf besser vermarkten lassen, denn "der Mahlsdorfer Bahnhof ist viel näher als der Kaulsdorfer".Für zwei Hellersdorfer hat Heimatforscher Kintscher die alten Geschichten ausgebuddelt. Uwe Klein und Dirk Nusse wollen das Wernerbad von den Berliner Bäderbetrieben pachten und im Sommer 2006 wieder für den Badebetrieb öffnen. Seit vier Jahren ist es geschlossen. Der Rand vom Schwimmerbecken ist kaputt. Die Nilpferdplastik im See ist mittlerweile fast schon zugewachsen und im Wasser schwimmen Hunderte von Goldfischen. "Irgendwer hat vor ein paar Jahren einige Fische ausgesetzt, die haben sich prächtig vermehrt", sagt Uwe Klein. Beim Jubiläumsfest am Freitag kann jeder, der es mag, sich einige Fische herauskeschern. Gegen eine kleine Spende. Denn Klein, von Beruf Diplomingenieur für Verkehrswesen, und Nusse, ein gelernter Polsterer, rechnen jetzt mit jedem Euro. Rund 585 000 Euro brauchen sie mindestens, um das Bad so herzurichten, dass es in der nächsten Saison wieder eröffnet werden kann. Ein Großteil der Mittel soll aus EU-Fördertöpfen kommen. Der Abschluss eines Pachtvertrages mit den Berliner Bäderbetrieben stehe bevor, sagt Uwe Klein.Bäderbetriebschef Klaus Lipinsky bestätigt die Verhandlungen. Klein und Nusse seien die einzigen ernsthaften Interessenten für das Freibad, das die Bäderbetriebe aus Kostengründen nicht mehr betreiben. Bei einem Interessenbekundungsverfahren hatte es nur zwei Bewerber gegeben, von denen dann einer verzichtete. "Wir sind zuversichtlich, dass ein Vertrag zu Stande kommt", sagt Lipinsky. Voraussetzung dafür sei jedoch ein solides Finanzierungskonzept, das die Bewerber in den nächsten Wochen vorlegen müssten.------------------------------WettkampffähigDie Anfänge: 1899 erwarb der Berliner Wilhelm Werner von dem Kaulsdorfer Bauern August Giese um den "Achtruthenpfuhl" Land. Er baute dort die Gaststätte "Badeschlösschen". 1905 wurde dann die Badeanstalt unter dem Namen Wernerbad eröffnet.Der Ausbau: Die Naturanlage Wernersee wurde 1951 von der Stadt Berlin übernommen. Im so genannten Nationalen Aufbauwerk (NAW) wurde sie 1957 bis 59 zu einem Freibad mit wettkampffähigem 50-Meter-Becken ausgebaut. Wegen fehlender Mittel für eine notwendige Rekonstruktion wurde das Bad seit 2002 nicht mehr geöffnet.Die Jubiläumsfeier: Beginn ist am Freitag um 15 Uhr an der Ridbacher Straße 44-46. Die Investoren stellen ihre Pläne vor, es wird ein Biergarten und eine Bühne aufgebaut. Geplant sind Spielaktionen und Tanz, um 22.30 Uhr gibt es ein Feuerwerk. Der Eintritt ist frei.------------------------------Foto: Die Natur erobert sich den See zurück. Das Nilpferd wächst langsam zu.