Die Prawda, ehemaliges Zentralorgan der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, oft bereits totgesagt, lebt. Inzwischen sogar in dreifacher Ausfertigung.Zu der ersten, mehrfach eingestellten und wiederbelebten Zeitung der inzwischen russischen KP und ihrem Konkurrenzunternehmen Prawda-5 ist jetzt eine neue "Wahrheit" hinzugekommen, die keinen Anspruch auf Parteizugehörigkeit erhebt. Das von Chefredakteur Viktor Linnik geleitete neue Blatt soll an fünf Tagen in der Woche mit einer Auflage von 20 000 Exemplaren erscheinen.Finanzier dieses Unternehmens ist dem Vernehmen nach die potente Moskauer ONEXIM-Bank. Wegen dieses Hintergrundes, so verlautete von kommunistischer Seite, könne dieses Blatt keineswegs die Interessen der Kommunisten vertreten.Von Lenin gegründet Diesen Anspruch erhebt dagegen die von Alexander Iljin redigierte Prawda, die einmal wöchentlich in einer Auflage von 15 000 Exemplaren erscheint, und diesen Anspruch erhebt ebenfalls die Prawda-5. Die Prawda-5, geleitet von Wladimir Rjaschin, erscheint fünfmal wöchentlich und ist mit ihrer Auflage von 192 000 die größte der hauptstädtischen "Wahrheiten". Das Blatt ist im Besitz der Aktiengesellschaft Prawda-international, die mehrheitlich dem griechischen Unternehmer Jannis Jannikos gehört.Noch bei den russischen Präsidentschaftswahlen im vergangenen Jahr hatte Jannikos· Prawda-5 den kommunistischen Präsidentschaftskandidaten, Gennadi Sjuganow, unterstützt.Inzwischen ist das Verhältnis zwischen Zeitung und KP-Führung zutiefst gestört. Prawda-5 und "alte" Prawda streiten vor dem Schiedsgericht um das Recht, sich als gesetzlicher Nachfolger der ursprünglichen Prawda betrachten zu dürfen, die am 5. Mai 1917 von Lenin gegründet worden war.Diesen Anspruch erhebt allerdings auch die dritte, die "neue" Prawda. Ihre Leitung kann ein Gerichtsurteil vorweisen, in dem Linnik und Genossen bescheinigt wird, sie seien die Rechtsnachfolger derer, die die Prawda nach ihrer Auflösung 1991 wieder beim staatlichen Komitee für das Pressewesen hatten registrieren lassen.Entscheidung vor Gericht Während jetzt die Gerichte mit der Entscheidung befaßt sind, erscheinen alle drei "Wahrheiten" weiter und werden, auch wegen ihres sehr ähnlichen Äußeren, von den KP-Anhängern gleichermaßen gelesen. Der Sieger der gerichtlichen Auseinandersetzung kann sich deshalb einige Hoffnungen machen, die meisten der Leser alle drei Zeitungen verkaufen gegenwärtig zusammen 227 000 Exemplare für sich zu gewinnen.